Zum Hauptinhalt springen

Bank als Grenzland-Pionier

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Als österreichischer Pionier ist die "Waldviertler Sparkasse von 1842" seit dem Jahr 1993 in der Tschechischen Republik erfolgreich aktiv. Damals erhielt sie als erste ausländische Bank die Konzession zur Gründung von Filialen im Nachbarland. Seither hat sich das ehemals regionale, rein österreichische Geldinstitut zu einer grenzüberschreitend tätigen Unternehmensgruppe entwickelt und viele Impulse für bilaterale Investitionen und Kulturkontakte gegeben.


Dass es nicht eine der großen österreichischen Banken war, der als erster der Schritt nach Tschechien gelungen ist, bleibt auch rückblickend noch eine außergewöhnliche Leistung. Schließlich hatte die "Waldviertler Sparkasse von 1842" Anfang der 90er Jahre nicht einmal die Hälfte der heute rund 300 Mitarbeiter und nur einen Bruchteil der Finanzmittel österreichischer Großbanken. Nicht zu reden von den fehlenden Strukturen in dem noch am Anfang des Transformationsprozesses stehenden Nachbarland.

Grenznähe und unternehmerischer Geist ließen den Vorstand der Sparkasse schon 1990 um den Erwerb der Konzession in Tschechien ansuchen. "Wir entschlossen uns dazu, weil der Inlandsmarkt relativ eng war und wir das Potential des tschechischen Zukunftsmarktes erkannten", erinnert sich Werner Pohnitzer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Zum positiven Abschluss des Genehmigungs-Verfahrens kam es schließlich im Juni 1993, zur Eröffnung der beiden ersten Geschäftsstellen schon mit April 1994.

Der Erfolg dieses Engagements spricht für sich. In den vergangenen 10 Jahren hat sich die damals nur im Waldviertel tätige Sparkasse zu einem grenzüberschreitend tätigen Unternehmensgruppe entwickelt. "Sowohl im Kredit- als auch im Einlagenbereich haben wir überdurchschnittliches Wachstum erzielt und diese Dynamik hält nach wie vor an," freut sich Pohnitzer. Alleine 2004 konnte die Bilanzsummen der Sparkasse um 15 Prozent auf 588,9 Mill. Euro und der Jahresüberschuss um 40 Prozent auf 2,0 Mill. Euro erhöht werden (vorläufige Zahlen). Der Mitarbeiterstand betrage heute 129 in Österreich, 147 in Tschechien und drei in der Slowakei.

Mittlerweile können sich die Waldviertler mit Recht als Tschechien-Experten bezeichnen: "Wir haben die beste Praxis-Kenntnis des tschechischen Marktes und dessen Marktteilnehmer und das gilt für den Privatkundenbereich ebenso wie für Unternehmen", ist Pohnitzer stolz. Der Vorsprung zu den Mitbewerbern habe sich weiter vergrößert.

Als Leitbetrieb bezeichnet Pohnitzer seine Sparkasse nicht nur wegen der neuen Arbeitsplätze, die in dem vergangenen Jahrzehnt geschaffen wurden. "Wir sind ein wichtiger Begleiter für sämtliche Klein- und Mittelbetriebe in Österreich und Tschechien über die Waldviertler Region hinaus", so Pohnitzer. Kredite in verschiedenen Währungen, Unterstützung bei Firmen-Gründungen und Joint Ventures gehören zum Kerngeschäft. Dazu kommt eine internationalen Ausbildung sowie Zweisprachigkeit von 60 Prozent der Mitarbeiter. Nicht zuletzt unterstützt die Waldviertler Sparkasse auch grenzüberschreitende Kulturprojekte wie etwa die Kulturbrücke Fratres.