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Bank Austria nach Bilanzputz mit Milliardengewinn

Von Karl Leban

Wirtschaft

Unicredit-Tochter bekräftigt Rückzugspläne für Ukraine, in Russland will sie weiter bleiben.


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Wien/Mailand. Es war ein überraschender, aber durchaus raffinierter Schachzug gewesen - das große Aufräumen der Bank Austria in der Bilanz für 2013. Mit Blick auf den nachfolgenden Bankenstresstest der EZB hatte das Institut die Firmenwerte aller Tochterbanken in Osteuropa radikal auf null abgeschrieben, um hier die Risiken für zukünftige Verluste mit einem Schlag zu beseitigen. Zwar war die Folge ein riesiges Minus von mehr als 1,5 Milliarden Euro, das in der 2013er Bilanz in Kauf genommen werden musste. Der große Befreiungsschlag scheint sich aber ausgezahlt zu haben. Denn für 2014 meldet die Bank Austria nun einen Nettogewinn von fast 1,4 Milliarden Euro.

Was ihr im abgelaufenen Jahr ebenfalls dazu verhalf, nach langer Zeit wieder einen Gewinn in Milliardenhöhe einzufahren: Für notleidende Kredite musste deutlich weniger Geld zur Seite gelegt werden. Wie die Bank am Donnerstag mitteilte, halbierten sich die Kreditrisiko-Kosten in Österreich und Osteuropa auf 693 Millionen Euro. Mehrere Wermutstropfen gab es 2014 dennoch. Weil die Kreditnachfrage wegen der flauen Konjunktur anhaltend schwach blieb, die tiefen Marktzinsen die Margen drückten und auch negative Wechselkurseffekte zu Buche schlugen, schrumpfte der Betriebsgewinn im Vergleich zum Jahr davor um nahezu ein Fünftel auf rund 2,6 Milliarden Euro.

Die Russland/Ukraine-Krise hat indes auch in der Bank Austria ihre Spuren hinterlassen (in beiden Ländern ist die Wiener Unicredit-Tochter prominent vertreten). Der Rubel- und der Griwna-Verfall belasteten das Eigenkapital mit gut einer Milliarde Euro. Hatte das Institut Ende 2013 noch eine harte Kernkapitalquote von 11,3 Prozent gehabt, lag diese zuletzt um einen Prozentpunkt tiefer. Bankchef Willibald Cernko sieht vorerst allerdings keine Eile geboten, die Kapitaldecke aufzupolstern: "Auch mit 10,3 Prozent sind wir ausreichend kapitalisiert."

Ukraine-Bank soll heuerabgestoßen werden

Die Rückzugspläne für die Ukraine sind bei der Bank Austria unterdessen weiter aufrecht. Cernko hofft, die dortige Tochter Ukrsotsbank heuer verkaufen zu können. Abhängig sei dies freilich von einer Deeskalation im russisch-ukrainischen Konflikt. Laut Cernko hat die Bank Austria bereits einen potenziellen Käufer an der Hand.

Nachdem in der Ukraine schon 2013 ein Verlust von 256 Millionen Euro angefallen war, setzte es für die dortige Tochter auch 2014 ein Minus, das mit 152 Millionen Euro zwar nach wie vor hoch, aber deutlich geringer war. Zuletzt hatte die Ukrsotsbank (5000 Mitarbeiter) noch 1,4 Milliarden Euro an Krediten in ihrem Bestand. Ihre Bilanzsumme wird mit 2,4 Milliarden Euro beziffert.

In Russland will die Bank Austria hingegen weiter bleiben. Das dortige Geschäft warf im Vorjahr trotz der sanktionsbedingten Turbulenzen einen Vorsteuergewinn von rund 447 Millionen Euro ab. "Russland ist und bleibt ein Kernmarkt", betont Cernko. Auch für heuer rechnet er dort mit einem Gewinn, sofern keine Schreckensszenarien eintreten. Die Bankrisiken hält Cernko jedenfalls für beherrschbar. Sowohl das Kundenportfolio als auch die Qualität der Assets seien gut. Das Kreditvolumen der Bank Austria in Russland beläuft sich derzeit auf knapp elf Milliarden Euro.

Auch sonst denkt Cernko nicht daran, so wie der Ukraine einem anderen Land in Zentral- und Osteuropa den Rücken zu kehren. Der frühere CA-Banker wehrt sich dagegen, die Region krankzureden. Zweifellos seien die Banken in einer Phase, wo das eine oder andere neu aufgestellt werden müsse. "Aber wir hatten 20 Jahre eine exzellente Performance", so Cernko vor Journalisten. Selbst nach Abzug milliardenschwerer Korrekturen sei das "Ergebnis herzeigbar".

214 Millionen Euro anBankensteuern abgeführt

Weiterhin kein gutes Haar lässt Cernko im Hinblick auf Belastungen aus verschiedenen Bankenregulierungen (Basel-III-Kapitalregime, Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds) an den Bankensteuern. Hier hatte die Bank Austria im Vorjahr in Österreich und Osteuropa mit insgesamt 214 Millionen Euro um 2,5 Prozent mehr abzuführen. Allein auf Österreich entfielen fast 124 Millionen.

So wie ihre Wiener Tochter verdiente 2014 auch die italienische Unicredit wieder Milliarden, nachdem sie zuvor ebenfalls in ihren Büchern mittels Wertberichtigungen und Abschreibungen aufgeräumt hatte. Unterm Strich betrug ihr Gewinn zwei Milliarden Euro (2013 hatte es einen Verlust von 14 Milliarden gegeben). In Polen - diesen Markt steuert Mailand - ist die Unicredit an der zum Verkauf stehenden RBI-Tochter Polbank interessiert.

Geschäftszahlen gab am Donnerstag auch die deutsche Commerzbank bekannt. Das Institut steigerte seinen Gewinn von 81 auf 602 Millionen Euro.