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Bank Austria nur an sauberer Hypo-Inlandssparte interessiert

Von Karl Leban

Wirtschaft

Fokus auf "völlig bereinigtes Portfolio". | Interesse wegen des Kundenstocks: "Es geht um 60.000." | Wien. Die staatliche Kärntner Problembank Hypo Alpe Adria will ihr Geschäft in Österreich und Italien binnen eines Jahres verkaufen. Zumindest für ihre Inlandstochter gibt es bereits einen prominenten Interessenten: die Bank Austria. "Anschauen würden wir uns die Bank aber nur, wenn es ein völlig bereinigtes Portfolio gibt - ohne Leichen im Keller", betont Willibald Cernko, Chef der zum italienischen Unicredit-Konzern gehörenden Bank Austria.


Interesse an der Hypo-Inlandssparte besteht vor allem aufgrund des Kundenstocks. "Es geht um 60.000 Kunden", sagt Cernko. Ihren Marktanteil in Kärnten, dem Kernland der Hypo, könnte die Bank Austria so mit einem Schlag von 15 auf fast 20 Prozent ausbauen.

Viel Geld würde Cernko dafür allerdings nicht springen lassen. Selbst wenn der österreichische Teil der Hypo um alle Altlasten bereinigt auf den Markt kommen sollte, würde die Bank Austria maximal zum Buchwert kaufen.

Den Verkaufsprozess hat das Hypo-Management offiziell noch nicht aufgesetzt. Die Investmentbank, die ihn begleiten soll, ist aber bereits engagiert - es handelt sich um JP Morgan aus den USA. Von den jetzigen Verkaufsplänen nicht betroffen sind die Hypo-Aktivitäten in Osteuropa und am Balkan.

Der kasachische Fluch

2010 hat die Bank Austria, die innerhalb der Unicredit-Gruppe für Österreich und Osteuropa zuständig ist, unter dem Strich mit 747 Millionen Euro um knapp ein Drittel weniger verdient als im Jahr davor. Grund für die Gewinnschmelze waren die österreichische Bankensteuer, die mit rund 125 Millionen Euro zu Buche schlug, sowie eine abermals deftige Abschreibung auf den Firmenwert der defizitären kasachischen ATF Bank.

Diese Tochter - die einzige, die im Vorjahr Verluste schrieb - musste in den Büchern um 359 Millionen Euro abgewertet werden. Damit summieren sich die Abschreibungen bei der ATF mittlerweile auf 776 Millionen Euro. Ein teures Unterfangen, zumal dies einem erklecklichen Teil des Kaufpreises (1,89 Milliarden Euro) entspricht, den die Bank Austria 2007 für das Institut flüssig gemacht hatte.

Den kasachischen Markt aufgeben will die Unicredit-Tochter trotzdem nicht. "Wir haben uns entschieden, konsequent zu restrukturieren, die Performance hat sich zuletzt auch schon deutlich verbessert", so Cernko am Mittwoch in der Bilanzpressekonferenz. Den Vorsteuerverlust konnte die ATF 2010 auf 161 Millionen Euro fast halbieren.

Libyer-Konten gesperrt

Alles in allem lief es für die Bank Austria im vergangenen Jahr auch operativ etwas schlechter (siehe Grafik), obwohl die Kreditnachfrage besser war und die Risikovorsorgen um ein Fünftel gesenkt werden konnten. Laut Cernko wird die Bank ihrer Mutter in Mailand für 2010 - zum dritten Mal in Folge - keine Dividende abliefern. Wahrscheinlichster Grund: Mit den Gewinnen soll der weitere Aufbau von Eigenkapital vorangetrieben werden. Zuletzt lag die am strengsten definierte Kapitalquote mit 10 Prozent bereits relativ hoch.

Gemäß den EU-Sanktionen gegen das Gaddafi-Regime hat die Bank Austria kürzlich drei libysche Konten eingefroren. Zu den Inhabern und den darauf geparkten Geldern macht sie aber keine Angaben.