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Bank-Austria-Vize beerbt Profumo

Von Karl Leban

Wirtschaft
Der neue Unicredit-Chef: Ghizzoni ist bereits seit 30 Jahren für die Bank tätig. Foto: reu

Aufsichtsrat setzt Osteuropa-Manager auf Unicredit-Thron. | Banker mit viel Auslandserfahrung. | Mailand/Wien. Das Rennen um den Chefposten bei der italienischen Großbank Unicredit ist entschieden. Der Nachfolger von Alessandro Profumo kommt aus den eigenen Reihen - sein Name: Federico Ghizzoni. Auf ihn hat sich der Verwaltungsrat am Donnerstag, gut eine Woche nach dem spektakulären Sturz Profumos, geeinigt - einstimmig.


Ghizzoni, seit seinem 25. Lebensjahr in Diensten der Unicredit, ist in Österreich kein Unbekannter. Seit Mitte 2007 war der studierte Jurist bei der Wiener Unicredit-Tochter Bank Austria als Vorstand für das in der Gruppe besonders wichtige Osteuropa-Geschäft zuständig. Zuletzt war der 54-Jährige auch Stellvertreter von Bank-Austria-Chef Willibald Cernko. Wer Ghizzonis bisherige Agenden in der Bank Austria übernimmt, ist derzeit noch offen.

Mit Ghizzoni rückt auch einer der vier Stellvertreter des langjährigen Konzernchefs Profumo an die Vorstandsspitze der Bank, die mit einer Bilanzsumme von 955 Milliarden Euro, 9600 Filialen, 162.000 Mitarbeitern und einem Börsenwert von 36 Milliarden Euro zu den größten in Europa zählt. Das Vize-Amt war dem italienischen Manager erst im August übertragen worden. Nun nimmt er im Chefsessel Platz.

Schon am Mittwoch war durchgesickert, dass Ghizzoni das Rennen machen würde. Seine Ernennung erfolgte auf Vorschlag von Unicredit-Verwaltungsratschef Dieter Rampl - und mit Unterstützung wichtiger Aktionäre, allen voran der italienischen Sparkassenstiftungen, die mit rund elf Prozent an der börsenotierten Bank beteiligt sind. Bevor sich das Blatt zu Gunsten von Ghizzoni gewendet hat, soll Roberto Nicastro, ebenfalls einer der Stellvertreter Profumos, in der Favoritenrolle gewesen sein.

Garant für die Ostregion

Dass Ghizzoni im Unicredit-Imperium das Zepter übernimmt, werten Bankanalysten als kräftiges Signal dafür, dass sich die Gruppe auch künftig stark im Ausland engagiert. Vor allem das Osteuropageschäft, das mit Ausnahme Polens über die Bank Austria von Wien aus gesteuert wird, gilt im Konzern trotz der Turbulenzen während der Finanzkrise nach wie vor als Wachstumsmotor.

Ghizzoni selbst steht für Internationalität - so wie einst Profumo, der die Unicredit vor fünf Jahren mit der Übernahme der Hypovereinsbank und der Bank Austria zu einem veritablen "Player" in Europa formte. Für die Bank war Ghizzoni in seiner knapp 30-jährigen Tätigkeit als Manager viel im Ausland unterwegs. Vor seiner leitenden Funktion für die gesamte Ostregion hatte er Führungspositionen in Großbritannien (London), Singapur, Polen und der Türkei inne.

Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit hatte Ghizzoni zuletzt als Vielflieger auf Reisen quer durch Osteuropa verbracht. "Es ist wichtig, Reports zu sehen, wichtiger aber ist, Menschen zu sehen", sagte er jüngst der "Neuen Zürcher Zeitung". Deshalb war der Osteuropa-Manager immer wieder direkt vor Ort, um ein Gefühl für diese Region zu bekommen, die seit Jahren einem rasanten Wandel und Umbruch ausgesetzt ist.

Insider beschreiben Ghizzoni, der am 14. Oktober 1955 in Piacenza geboren wurde, als einen überaus loyalen Menschen, dessen Laufbahn eine besondere Treue zu seinem Arbeitgeber kennzeichnet. Deshalb werden ihm auch "weniger Ecken und Kanten als Profumo" bescheinigt. "Er ist sicher knetbarer als Profumo", heißt es aus dem Umfeld der Unicredit.

Türöffner für die Politik?

Ob Ghizzoni deshalb zu einem Türöffner für die italienische Politik wird, bleibt abzuwarten. Profumo hatte es in seiner Amtszeit jedenfalls verstanden, politischen Einfluss von der Bank, die einst aus mehreren regionalen Instituten hervorgegangen ist, fernzuhalten. "Dass er nicht willfährig war - so, dass sich die politische Kaste wieder bedienen kann", wie es ein Insider gegenüber der "Wiener Zeitung" ausdrückt, habe ihn letztlich den Kopf gekostet.

Vor allem auch die Strategie, in Osteuropa im großen Stil Fuß zu fassen (heute ist die Unicredit dort Branchen-Primus), stieß bei einigen italienischen Großaktionären - namentlich den Sparkassenstiftungen, die der Politik nahe stehen - auf Skepsis. Die Politik hatte gefordert, Unicredit solle lieber heimische Kunden unterstützen als sich im Ausland in Abenteuer zu stürzen.