Zum Hauptinhalt springen

Bank Burgenland im Visier der Hypo-Ermittler

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Haben ehemalige Hypo-Vorstände persönlich profitiert? | Vorwurf der Bilanzfälschung gegen Kulterer. | Wien. In U-Haft sitzt Ex-Hypo-Alpe-Adria-Chef Wolfgang Kulterer zwar wegen des Vorwurfs, freihändig Kredite an die marode Fluglinie Styrian Spirit und den Detektiv Dietmar Guggenbichler vergeben zu haben - es gilt die Unschuldsvermutung. Im Hintergrund arbeiten die Ermittler aber verbissen eine deutlich komplexere Causa auf - und dabei will man nun auch mögliche Verbindungen zur Bank Burgenland unter die Lupe nehmen.


Konkret geht es dabei um Vorzugsaktien-Emissionen der Hypo-Leasing: Die erste Tranche von 100 Millionen Euro wurde 2004 ausgegeben, die zweite - 70 bis 80 Millionen Euro - 2006.

Tranche eins erregte 2007 die Kritik der Nationalbank. In einem Prüfbericht wurde dargelegt, dass die Investoren den Kauf per Kredit der Hypo-Tochter in Liechtenstein finanziert hatten. Da das Geld also aus dem eigenen Konzern kam, wäre der Erlös nicht als zusätzliches Kernkapital anrechenbar - ein entscheidender Punkt für die kapitalschwache Hypo.

Mittlerweile steht der Vorwurf im Raum, dass die Investoren - ein undurchschaubares Geflecht aus Firmen und Stiftungen - im Einflussbereich damaliger Hypo-Vorstände oder ihnen nahestehender Personen gewesen sein sollen.

Gewinn ohne Risiko

Sie hätten - auf Kosten der Bank - an einem todsicheren Geschäft profitiert: Die Vorzugsaktien brachten eine vereinbarte Dividende von 6,25 Prozent pro Jahr, die Kreditzinsen betrugen 4,5 Prozent - die Differenz wäre also ein Gewinn ohne jedes Risiko. Die ehemaligen Vorstände bestreiten die Vorwürfe - es gilt die Unschuldsvermutung.

In Zusammenhang mit der Bank Burgenland ist - Informationen der "Wiener Zeitung" zufolge - für die Ermittler nun die zweite Tranche Vorzugsaktien von Interesse: Laut Nationalbank-Bericht hat der damalige Hypo-Vorstand erklärt, dass dabei keine Konstruktion wie im Jahr 2004 zur Anwendung gekommen sei.

Nun gibt es Hinweise, dass hier - statt der Hypo-Liechtenstein - die Bank Burgenland einen Teil der Investoren mit Krediten versorgt haben soll. Dies wäre insofern pikant, als kurz vor der Emission die Hypo-Miteigentümerin Grazer Wechselseitige Versicherung die Bank Burgenland übernommen hatte.

Hätte Kulterer tatsächlich persönlich profitiert, wäre dies doppelt unangenehm. Er wurde bereits einmal wegen Bilanzfälschung verurteilt. Hat er wissentlich die Vorzugsaktien fälschlicherweise dem Kernkapital zugerechnet - wie es aus Ermittlerkreisen heißt -, wäre dies erneut ein solches Vergehen. Auch hierfür gilt die Unschuldsvermutung.

Bank-Burgenland-Chef Christian Jauk schloss gegenüber der "Wiener Zeitung" aus, dass sein Institut "Organe" - also Aufsichtsräte oder Vorstände - der Hypo in diesem Zusammenhang finanziert habe. Bei der Grawe war urlaubsbedingt niemand für eine Stellungnahme erreichbar.