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Banken als Partner in allen Lebenslagen

Von Rosa Eder

Wirtschaft

+++ Analyse der Kundenbedürfnisse sind das Um und Auf. | EU-Richtlinien schon gut umgesetzt. | Alpbach. Die österreichischen Banken sehen sich längst nicht mehr als reine Kreditlieferanten und Sammelstellen für Spareinlagen, sondern als Partner ihrer Kunden in allen Lebenslagen. So lautete der Tenor beim diesjährigen Alpbacher Bankenseminar, bei dem noch bis heute, Mittwoch, namhafte Finanzexperten in dem idyllischen Tiroler Bergdorf über die Zukunft ihrer Branche diskutieren.


# Weniger Bankeinlagen

Zwar ist bei den heimischen Banken nach wie vor der Nettozinsertrag die wichtigste Ertragskomponente, doch ist sein Anteil am Gesamtergebnis in den vergangenen 10 Jahren um fast 12 Prozentpunkte zurückgegangen, berichtete Andreas Ittner, Direktor der Hauptabteilung Analyse und Revision in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Provisionsertrag und andere betriebliche Erträge wie etwa Beteiligungserträge haben an Bedeutung gewonnen. Dies sei zum einen darauf zurückzuführen, dass bei den Haushalten ein markanter Rückgang der Bankeinlagen zugunsten von Investmentfonds und Vorsorgeprodukten zu verzeichnen war. Zum anderen reduziere sich die Kreditvergabefunktion der Banken langsam. Eine Ausnahme bilden dabei die Primärbanken, also jene Institute, die in kleinen Gemeinden vor Ort ihre Kunden betreuen. Bei ihnen sei das Kreditgeschäft weiterhin wichtig.

Enge Kundenbindung

Die Regionalbanken punkten vor allem mit ihrer Kundennähe, sagte Unternehmensberater Andreas Rinker. "Die kleinen Institute haben bewiesen, dass sie mit den Großen mithalten und unternehmerische Spitzenleistungen hervorbringen können." Die Experten sind sich einig: Enge Kundenbindung ist das Um und Auf. "Der Kunde muss sich gut betreut wissen", meinte Hannes Schmid, Vorstandssprecher der Raiffeisen-Landesbank Tirol.

Christian Aichinger, Vorstand der Wiener Neustädter Sparkasse, geht noch einen Schritt weiter: "Es muss uns gelingen, der Hausarzt des Kunden zu werden."

Andreas Wagner, Leiter des Ressorts Beteiligungsmanagement und Konzernentwicklung in der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), betonte, es komme darauf an, die heutigen und die künftigen Bedürfnisse der Kunden zu kennen und zu analysieren. Damit schlug er in dieselbe Kerbe wie Wirtschaftsrechts- und Verbraucherschutzexperte Udo Reifner, der die Banken in seinem Vortrag am Montagnachmittag als Transportunternehmen, die das Lebenseinkommen der Menschen transportieren, bezeichnet hatte. Es müsse daher ein Vertrauensverhältnis hergestellt werden. Reifner findet jedoch, dass dazu die Geschäftsperspektive der Banken zu kurzfristig sei, da sie maximal vier Jahre umfasse. "Wir brauchen vorausschauende, verantwortungsbewusste Banken", so die Meinung des Experten, der im Jahr 2004 Präsident der Financial User Expert Group bei der Generaldirektion "Markt" der EU war.

Lob für Österreich

Österreich liege bei der Umsetzung der von der EU vorgeschriebenen Finanzdiensleistungsrichtlinien "ganz gut", sagte Irmfried Schwimann, Leiterin der Abteilung "Financial Services Policy" in der Europäischen Kommission, im Rahmen des Alpbacher Bankenseminars. Per Ende Juli 2005 seien fast alle Richtlinien umgesetzt gewesen.

Eine der kommenden Herausforderungen im Finanzdienstleistungsbereich sei die Einbindung von Konsumenteninteressen in den Entscheidungsprozess. Schwimann: "Wir bemühen uns, die Stimme der Konsumenten in Brüssel hörbar zu machen." Sie vermisse auch einen "europäischen Reflex". Die nationalen Stellen müssen über ihren eigenen Gemüsegarten hinaussehen, so Schwimann. Dies gelte vor allem für das Aufsichtswesen.

Heute, Mittwoch, geht es beim Alpbacher Bankenseminar um das Spannungsfeld von Regulierung und Management. Unter den Referenten bzw. Diskutanten: Josef Christl, Direktoriumsmitglied der OeNB, Kurt Pribil, Vorstandsdirektor der Österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA und Herbert Pichler, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich.