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Banken haben Kreditvergabe zum sechsten Mal verschärft

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Handhaben Kredite seit eineinhalb Jahren immer restriktiver. | Bisher nur sehr geringe Wirkung der Bankenhilfspakete. | Wien. Die Konditionen, zu denen Österreichs Unternehmen bei den Banken Kredite erhalten, erschweren sich zunehmend: Zu diesem Ergebnis kommt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) bei ihrer aktuellen Kreditmanager-Umfrage, die das letzte Quartal 2008 abdeckt.


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Somit haben die heimischen Banken ihre Kreditvergabe-Kriterien im Firmenkundengeschäft schon sechs Quartale hintereinander verschärft. Auch die Zinsspannen sind - vor allem für risikoreiche Kredite - zum sechsten Mal in Folge gestiegen.

Eine Kreditklemme wurde von Bankmanagern, zuletzt von Erste-Österreich-Chefin Elisabeth Bleyleben-Koren, jedoch stets in Abrede gestellt. Möglicherweise ein terminologisches Problem, wie Franz Hahn vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erläutert. Von einer Kreditklemme könne man erst sprechen, wenn es zu einer Mengenbeschränkung komme: "Das wäre dann der Fall, wenn die Banken Kreditlinien streichen oder bei gleichen Bedingungen geringere Summen vergeben."

Als Grund für die restriktive Vergabe nennen die befragten Kreditmanager die nach wie vor erschwerte und teure Refinanzierung der Banken auf dem Geld- und Kapitalmarkt. Das im Herbst 2008 beschlossene Bankenhilfspaket habe im vierten Quartal den Zugang der Banken zu großvolumigen Finanzierungen nur sehr gering verbessert, schreibt die OeNB. Dieser sollte sich im ersten Quartal 2009 etwas entspannen.

Reichen 15 Milliarden?

Wirtschaftsforscher Hahn sieht dahinter ein Fragezeichen: Derzeit seien die Eigenkapital-Probleme der Banken noch nicht so gravierend, dass sie Einfluss auf die Kreditvergabe hätten. In einem halben bis dreiviertel Jahr werde sich abzeichnen, ob und welche Gelder von Österreichs Banken für die Kapitalisierung ihrer Osteuropa-Töchter abfließen müssen. "Dann wird man auch sehen, ob die vom Staat für die Rekapitalisierung vorgesehenen 15 Milliarden Euro ausreichen." Dass Österreichs Großbanken sich derzeit noch nicht mit staatlichem Partizipationskapital eingedeckt haben, liege nicht zuletzt an vielen unklaren Detailfragen, so Hahn. Dazu gehöre auch die aktuelle Debatte über Gehaltsobergrenzen.

Österreichs Banken säßen zudem noch auf belasteten strukturierten Produkten unbekannten Ausmaßes. Damit deren Abschreibungsbedarf nicht die Bilanzen belastet, hält der Experte die Errichtung von Bad Banks, also Ausgliederung der Problempapiere in eigene Gesellschaften, bei denen der Staat einspringt, für sinnvoll. Dies werde aus Wettbewerbsgründen ohnehin unumgänglich, sobald andere Länder damit anfingen.

Für Privatpersonen, die sich Geld leihen wollen, sind laut OeNB die Folgen der Krise weniger drastisch. Die Richtlinien für Wohnbaufinanzierungen und Konsumkredite haben sich nur leicht verschärft. Die Zinsmargen für Kredite an private Haushalte wurden aber ebenfalls angehoben - nicht nur für risikoreichere Kredite. **

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