Zum Hauptinhalt springen

Banken müssen an allen Schrauben gleichzeitig drehen

Von Rosa Eder, Alpbach

Wirtschaft

Österreichs Banker sind dieser Tage wieder einmal unter sich. Im tirolerischen Alpbach gibt man sich beim traditionellen Bankenseminar im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach ein Stelldichein. Zentrales Thema der heurigen Veranstaltung: Wie können die Erträge weiter gesteigert werden?


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

In der letzten Dekade habe sich im weltweiten Vergleich die angelsächsische Bankenwelt durchgesetzt, sagt Reiner Hoock von der internationalen

Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton vor den rund 160 Teilnehmern des Bankenseminars. "Mehr als 50% der Marktkapitalisierung wird von Banken aus den USA und Großbritannien beigesteuert", so Hoock. Heute seien bereits 90% der Top-10-Banken angelsächsisch, vor zehn Jahren seien es erst 30% gewesen.

Vor allem die Amerikaner haben ihre Hausaufgaben gemacht: Die Profitabilität der US-Banken sei inzwischen zwei- bis dreimal so hoch wie jene mitteleuropäischer Institute. Letztere haben sich zwar ebenfalls angestrengt, um profitabler zu werden, doch sie haben nicht an allen Schrauben gleichzeitig gedreht, so die Erklärung von Booz Allen Hamilton. Ganzheitliches, wertorientiertes Management lautet das Zauberwort. "Die mitteleuropäischen Banker managen in Wellen", erläutert Hoock am Podium. Eine zeitlang stünden die Kosten im Mittelpunkt der Ertragssteigerungsstrategie, dann wiederum werde auf Wachstum umgeschaltet. Internationale Spitzenbankiers behalten hingegen Wachstum, Kosten, Risiko und Kapital gleichzeitig im Auge. Hoock rät den Banken vor allem, sich Kunden, mit denen nichts zu verdienen ist, genauer anzusehen. Dasselbe gelte für die Beteiligungen.

Innerhalb Europas stehen vor allem die deutschen Banken schlecht da. Hoock: "Das ist ein ziemliches Trauerspiel". Österreichische sowie schweizerische Banken seien hier viel besser aufgestellt als ihre deutschen Konkurrenten.

Lob findet Hoock etwa für die Erste Bank, deren Generaldirektor Andreas Treichl im Expertengespräch mit Andreas Dombret, Co-Sprecher der Geschäftsführung des Bankhauses Rothschild Deutschland, über "Europas Banken - Übernehmer oder Übernommene" diskutiert. "So gut werden, dass einen keiner kaufen kann", ist Treichls Rezept, mit dem sich Banken gegen Übernahmen wappnen können. Sein Institut ist mit einer Marktkapitalisierung von 8 Mrd. Euro ja nicht mehr gerade billig. "Ausländische Banken wollen keine deutschen Institute übernehmen, weil sie nichts damit verdienen würden", meint Treichl zu möglichen Übernahmen im Nachbarland. Und: Von einem Merger müssten auch die Kunden profitieren.

Treichl bedient sich des Flipcharts und zeichnet ein "magisches Dreieck", bestehend aus Eigentümern, Kunden und Mitarbeitern. "Es ist eine watscheneinfache Theorie: Die Eigentümer müssen happy sein, die Kunden müssen happy sein, und die Mitarbeiter müssen happy sein." In Österreich haben laut Treichl weder die Mitarbeiter noch die Kunden von Banken Anlass zu meckern. Erstere seien gut bezahlt, letzteren werde das "europaweit beste Service" mit günstigen Konditionen geboten. "Gehen Sie mal in eine englische Bank und schauen Sie, wie Sie dort behandelt werden."