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Banken nehmen neuen Anlauf für große Lösung im Zahlungsverkehr

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Seit Jahren wird groß darüber geredet, passiert ist allerdings noch nichts. Heute starten die führenden österreichischen Banken erneut den Versuch, ihre Zahlungsverkehrssysteme auf nationaler Ebene zu vereinheitlichen. Die Zeit drängt, denn laut Experten werden auf lange Sicht in Europa nur drei bis vier Systeme übrig bleiben.


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Österreich hat aufgrund der hohen Marktanteile der heimischen Banken in den Reformländern gute Chancen, ein Zahlungsverkehrsknoten im Herzen Europas zu werden, läuft aber Gefahr, von der Ost-Konkurrenz überholt zu werden. Der technische Standard ist nämlich in so manchem EU-Erweiterungsland besser als hierzulande, weil die Systeme später installiert wurden und daher moderner sind. So könnte etwa Bratislava Wien den Rang ablaufen. In Hinblick darauf wäre eine "große österreichische Lösung", bei der möglichst viele Institute von Beginn an eingebunden sind, am besten.

"Unter rational handelnden Personen müsste eine Lösung greifbar sein," sagt Gottfried Haber, Assistent am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Klagenfurt und einer von fünf Autoren einer Studie, die noch rechtzeitig vor dem "Zahlungsverkehrs-Gipfel" in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) vorgestellt wurde. Demnach bietet ein einheitliches System für Österreichs Banken ein großes Kostensenkungspotential.

Universitätsprofessor und Co-Autor Reinhard Neck rechnet vor: Jährlich werden etwa 1,6 Mrd. bis 1,8 Mrd. Transaktionen abgewickelt. Könnte man hier die Kosten um 20% bis 30% senken, könnten 64 Mill. bis 144 Mill. Euro eingespart werden. Rund 1% der Transaktionen verlässt den derzeitigen Euro-Raum, wobei sich die dem Kunden verrechneten Spesen in der EU in einer Bandbreite von 17 bis 24 Euro bewegen. Eine Senkung dieser Kosten um nur 10% könnte ein zusätzliches Einsparpotenzial von mindestens rund 25 Mill. Euro jährlich bringen.

Die Konsumenten würden auch davon profitieren, allerdings nicht durch sofortige Gebührensenkungen. Die Banken würden die Einsparungen im Zahlungsverkehr erst nach und nach in andere Dienstleistungen einfließen lassen, glaubt Haber. Weiters würden rund 3.000 bis 6.000 Arbeitsplätze entstehen, und das in einer Branche, wo nach wie vor Jobs abgebaut werden.

Mit der GSA (Geldservice Austria, gemeinsame Bargeldlogistik), der APSS (gemeinsame Plattform für die Abwicklung von Auslandsüberweisungen) und EBA STEP 2 (Plattform für die Abwicklung von Auslandsüberweisungen) gibt es übrigens bereits Beispiele erfolgreicher Kooperationsmodelle der Banken unter Beteiligung der Nationalbank.