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Banken-Neuordnung ohne die drei Großen des Landes

Von Karl Leban

Wirtschaft

RZB-Boss: "Weder Hypo noch ÖVAG auf unserer Wunschliste." | Top-Banken setzen auf eigenes Geschäft. | Wien. Das kleine Österreich hat viel zu viele Banken, die sich gegenseitig das Wasser abgraben. Namhafte Vertreter der staatlichen Banken-ÖIAG (Fimbag) haben diese Meinung kürzlich jedenfalls kundgetan. Sie halten daher eine Strukturbereinigung in der heimischen Bankenszene für überfällig. Wer künftig diese Konsolidierung in Gang setzen soll, ist freilich offen. Denn die drei größten Banken im Land, die dafür im Gegensatz zu kleineren Instituten auch den finanziellen Atem hätten, winken allesamt ab.


Die Bank Austria hat bereits wiederholt betont, ihr Heil in organischem Wachstum zu suchen - und nicht in Zukäufen. Die Erste Bank will ebenfalls keine aktive Rolle spielen, um eine Konsolidierung in Schwung zu bringen. Selbiges gilt aber auch für die Raiffeisen Zentralbank (RZB).

"Wir sehen unsere Chancen im eigenen Stammgeschäft, nicht in kolportierten Akquisitionen", erklärte deren Chef, Walter Rothensteiner, am Dienstag vor der Presse. "An Planspielen, die andere machen, wollen wir uns nicht beteiligen."

Viele Überschneidungen

Konkret bezog sich Rothensteiner auf die Hypo Kärnten und die Volksbank AG (ÖVAG), für die Raiffeisen in Medien immer wieder als Interessent gehandelt wird: "Weder die Hypo noch die ÖVAG stehen auf unserer Wunschliste." Vor allem mit der ÖVAG gebe es mehrere Überschneidungen: So seien etwa die Kunden der ÖVAG-Tochter Investkredit auch Raiffeisen-Kunden, und die Volksbank International sei in vielen Ländern Osteuropas, wo auch Raiffeisen International unterwegs sei. "Ich sehe nicht ein, warum ich mich da groß anstellen soll", so Rothensteiner. "Für uns ist das keine Pflichtveranstaltung." Statt jahrelang über Fusionen zu debattieren, will der RZB-Chef lieber über Kunden nachdenken.

An der ÖVAG, der heuer ein Verlust von bis zu einer Mrd. Euro ins Haus steht, hält die RZB sechs Prozent. Die vom ÖVAG-Vorstand für 2010 angekündigte Kapitalerhöhung will Rothensteiner nur dann mittragen, wenn das Volksbanken-Spitzeninstitut das Geld nicht dazu verwendet, Staatshilfen zurückzuzahlen. Die Probleme der ÖVAG hält der Raiffeisen-Banker für lösbar. Von Verstaatlichung wie bei der Hypo könne deshalb im Moment auch keine Rede sein.

Höhere Risikovorsorgen

Die RZB erwartet für heuer einen stabilen Vorsteuergewinn von rund 600 Mio. Euro. Trotzdem hinterlässt die Finanzkrise Spuren: Mit 2,2 Mrd. Euro werden Wertberichtigungen und Risikovorsorgen weit höher ausfallen als 2008 (1,2 Mrd. Euro).