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Banken sichern sich wegen Griechen-Krise Liquidität

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Institute sprechen mit Eigentümern über Kreditlinien. | Nationalbank: In erster Runde einer Griechen-Pleite noch kein Kapitalbedarf.


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Wien.Auch wenn die Eurozonen-Problemstaaten Griechenland, Irland und Portugal nur mit - vergleichsweise geringen - 5,8 Milliarden Euro bei österreichischen Banken in der Kreide stehen, könnte ein Zahlungsausfall eines dieser Länder für einige Kreditinstitute schwerwiegende Probleme mit sich bringen. Angesichts einer möglichen Griechenland-Pleite entwickeln einzelne Institute bereits jetzt gemeinsam mit der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) einen Notfallplan.

Auswirkungen eines griechischen Staatsbankrotts auf österreichische Banken wären "im Erstrundeneffekt limitiert", so OeNB-Direktor Andreas Ittner am Dienstag bei der Präsentation des aktuellen Finanzmarktstabilitätsberichts. "Wir gehen aus Erstrundeneffekten nicht von einer Rekapitalisierungsnotendigkeit aus", erklärt auch Philip Reading, Leiter der Hauptabteilung Finanzmarktstabilität und Bankprüfung in der OeNB.

Allerdings könnte eine griechische Pleite nicht nur direkte Folgen in Form von Abschreibungen bestehender Forderungen haben: Es könne zu einer Krise im gesamten Bankensektor kommen, die sich eventuell auf die Liquiditätssituation auswirken würde, so Reading. Gemeint ist ein Effekt wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008, als sich Banken aus Unklarheit über mögliche Verluste gegenseitig kaum mehr Geld borgten. "Wir haben intern Stresstests durchgeführt und mit den Banken bezüglich eines Plan B gesprochen", so Reading.

Verhalten positiv

Offenbar gibt es - Informationen der "Wiener Zeitung" zufolge - "eine Handvoll" Institute, die sich bereits jetzt vorsichtshalber Liquiditätsquellen sichern. Einerseits geht es darum, verfügbare Liquidität - also Geld zur Tätigung der laufenden Zahlungen - in möglichst rasch verfügbare Anlageformen umzuschichten. Andererseits sprechen manche Banken auch mit ihren Eigentümern über Liquiditätslinien, die sie im Fall des Falles anzapfen könnten. So würde eingeweihten Kreisen zufolge etwa die KA Finanz AG - der Abwicklungsteil der notverstaatlichten Kommunalkredit - eine Teil-Pleite Griechenlands nicht lange aus eigener Kraft durchhalten. Die KA Finanz AG hat eine Milliarde Euro an Griechenland-Risiken in ihren Büchern. Mit sogenannten Credit Default Swaps haben sich Investoren bei ihr gegen eine Griechen-Pleite abgesichert, im Fall des Falles muss die Bank diese ausbezahlen. Ein Teil der Liquidität könnte vom Eigentümer Staat kommen.

Insgesamt stellt die Nationalbank dem heimischen Finanzsystem ein verhalten positives Zeugnis aus: Im zweiten Halbjahr 2010 habe sich das Bankensystem weiter von Krise erholt, so Ittner.

Warten auf Stresstest

Risiken wären - neben der Staatsschuldenkrise - etwa das hohe Volumen an vergebenen Fremdwährungskrediten, die geringe Profitabilität und die hohe finanzielle Abhängigkeit der Auslandstöchter von ihren Konzernmüttern. Ergebnisse des aktuellen OeNB-Bankenstresstests nannte Ittner nur in sehr allgemeiner Form: So würde sich im Fall einer unterstellten Wirtschaftskrise das harte Kernkapital bei den Top-6-Banken von 8,5 auf 7,4 Prozent der risikogewichteten Aktiva reduzieren. Mehr Details verspricht der gerade laufende europäische Stresstest. Laut Agentur Reuters soll dieser am 13. Juli veröffentlicht werden.