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"Bankenpleiten wird es immer geben"

Von Karl Leban

Wirtschaft

Holzmann: Keine Gefahr für Austrobanken. Zinswende riss Nationalbank 2022 Milliardenloch ins Veranlagungsergebnis.


Robert Holzmann zeigt sich weiterhin gelassen, was die Bankenturbulenzen in der Schweiz und den USA betrifft. Aus Sicht des obersten Notenbankers der Republik Österreich haben die dortigen Verwerfungen "nach derzeitigem Wissensstand überhaupt keine Auswirkungen" auf den heimischen Bankensektor. "Mit Credit Suisse ist Österreich kaum verbunden - ein nennenswertes Exposure gibt es nicht", betonte der Chef der Nationalbank (OeNB) am Donnerstag bei der Präsentation der Jahresbilanz seines Hauses.

"Auch die Entwicklungen in den USA sind sehr regional", sagte der Notenbanker weiter. Was für Holzmann, der in der Europäischen Zentralbank (EZB) auch als Ratsmitglied fungiert, offenbar ebenso entscheidend ist: "Die Märkte beruhigen sich wieder - und damit gibt es auch kein Überschwappen auf den Euroraum."

"Das, was da passiert ist, war schlechtes Management", erklärte der OeNB-Gouverneur mit Blick auf Credit Suisse, die Silicon Valley Bank sowie andere in Problemen befindliche US-Regionalbanken. Holzmann sprach von "Ausreißern". Dafür könne man weder den Staat noch die Aufsicht verantwortlich machen, sagte er. "Bankenpleiten wird es in einem kapitalistischen System immer wieder geben. Die gehören dazu wie die Sünde zur Religion."

Veranlagungsergebnis tiefrot

Die OeNB selbst war im vergangenen Jahr mit einem tiefroten Veranlagungsergebnis von rund 1,9 Milliarden Euro konfrontiert - vor allem wegen der von der EZB im Juli eingeleiteten Zinswende, die negative Auswirkungen auf Anleihenkurse hatte, aber auch wegen der schwachen Performance vieler Aktienbörsen. Nur dank der Auflösung einer Risikorückstellung weist das geschäftliche Ergebnis der Notenbank für 2022 eine schwarze Null aus - nach einem Gewinn von 94 Millionen Euro im Jahr davor. Für den Bund als Eigentümer bedeutet das, dass nichts an ihn auszuschütten gibt. Für 2021 hatte er noch 57 Millionen Euro plus 24 Millionen Euro Körperschaftsteuer kassiert. Auch in den nächsten Jahren dürfte der Bund leer ausgehen, laut OeNB-Direktorium ist mit keinen besseren Ergebnissen zu rechnen.

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Ihre Anlagestrategie verteidigte die Nationalbank am Donnerstag dennoch. Man veranlage sehr langfristig, generellen Trends an den Märkten könne man sich allerdings nicht entziehen, erklärte Direktor Thomas Steiner in der Bilanzpressekonferenz. Zu Vorwürfen der SPÖ, die OeNB spekuliere mit Steuergeld, wollte der Notenbanker keine Stellung nehmen.

Im Rahmen der früheren, extrem lockeren Geldpolitik der EZB, hatte die Nationalbank jahrelang in großem Stil Anleihen gekauft. Das hat sich 2022 nicht nur deshalb gerächt, weil diese Bonds wegen der Zinswende im Kurs deutlich nachgaben, sondern auch, weil diese Papiere - zumeist Staatsanleihen - nur geringe Zinszahlungen leisten. So stand Erträgen von 209 Millionen Euro aus Wertpapieren für geldpolitische Zwecke ein Zinsaufwand von 429 Millionen Euro für Einlagen von Geschäftsbanken bei der OeNB gegenüber. Vor diesem Hintergrund schrieb die Nationalbank erstmals ein negatives Nettozinsergebnis.

Inflation bleibt weiter hoch

Ihre Prognose für die Inflation in Österreich hat die OeNB für heuer unterdessen leicht nach oben korrigiert - von 6,5 auf 6,8 Prozent. Der erwartete Rückgang fällt damit schwächer aus, 2022 lag die Rate bei 8,6 Prozent. Dass die Teuerung nur langsam schwächer wird, begründete OeNB-Chef Holzmann mit der steigenden Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel). Bei Öl und Gas sei der Höhepunkt des Preisanstiegs bereits überschritten.

Bei der Prognosen für Österreichs Wirtschaftswachstum hat sich indes gegenüber der Dezember-Prognose nichts geändert. Für 2023 geht die OeNB angesichts einer schwachen Exportnachfrage und eines rückläufigen Privatkonsums von einem moderaten Plus von 0,6 Prozent aus.

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