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Barbie in Legoland

Von Karin Henjes

Reflexionen

Musizierende Betten, regnende Schlafzimmer, pinkfarbene Mädchenwelten und rotierende Sofas gehörten zu den Blickfängen auf der internationalen Möbelmesse vom 19. bis zum 25. Januar in Köln. Neben diesen Einzeldarbietungen ließen sich aber auch mehrere Einrichtungstrends entdecken.


Zunächst zu den aufsehenerregenden Präsentationen: In Musik schwelgen können Kenner künftig im Polsterbett "Calmo" aus der Schweizer Möbelschmiede Team by Wellis. Denn auf Wunsch wird dieses mit MP3-Anschluss und integrierten Lautsprechern geliefert. Das deutsche Unternehmen Ruhe und Raum hat die Verschmelzung von Schlaf- und Badbereich konsequent fortgeführt und lässt es mithilfe einer minimalistischen Duscharmatur direkt in einen viereckigen Pool neben dem Bett "regnen". Als mindestens ebenso prickelnd werden kleine Mädchen die neuen Barbie-Möbel der Firma Welle - Barbiehaus inklusive - empfinden. Polster-Avantgardist Walter Knoll hat sein Sofa "Living Landscape" zu einem flexiblen Sitzsystem mit drehbaren Seitenelementen perfektioniert - und verweist damit auf einen der prägnantesten Messetrends, nämlich das hochflexible Polstermöbel.

Sofa-Lego

Ob die intellektuelle Sofamanufaktur Cor (mit "Kelp"), der expermentierfreudige Niederländer Leolux (mit "Pode") oder der leicht-sinnige französische Markeneinrichter Ligne Roset - sie alle haben das Sofa in dieser Saison neu definiert als die Summe flexibler, farbenreicher Einzelstücke. "Confluences" von Ligne Roset wurde für das Design von Philippe Nigro sogar mit dem "interior innovation award" der Messe ausgezeichnet.

Chesterfield. Um ihre handwerkliche Polsterkunst unter Beweis zu stellen, beleben Sofahersteller außerdem die alte Technik des "Capitonné" - auch Chesterfield- oder Rautenheftung genannt - neu: Der Sofastoff wird in Rautenform gelegt und mit Knöpfen auf das Polster aufgebracht. Doris Oberwelland, Inhaberin von Werther Classic: "Wir zeigen dieselbe Garnitur einmal in einem glänzenden violetten Velours und einmal im kaffeebraunen Wollstoff - um darzustellen, welche stilistische Bandbreite die Chesterfieldheftung abdeckt."

Naturbilder

Waren Bilder, Fotos und Ornamente lange aus der Möbelwelt verbannt, kommen sie nun mit Nachdruck zurück - in dieser Saison gerne als Natur-Mimen. Zu sehen waren stilisierte Blumen- oder Kristall-Akzente auf Teppichen (Leolux), Rosen, die aus einem Polstersitz hervorbrechen (Brühl), Kleiderhaken in Vogelform (Schönbuch) oder Naturfotos in Form von Gardinen (Création Baumann) und Leuchten (Doctor Design). "Wir verstehen Möbel als Therapie", erklärt Petri Vainio von Doctor Design. "Weil wir in Finnland wenig Licht haben, müssen wir positive Einrichtungsgegenstände schaffen."

Gold und Beige

War in der vergangenen Saison der Schwarz-Weiß-Kontrast das dominierende Farbgespann, so kommen jetzt weichere Töne ins Spiel: ein gebrochenes Weiß, vornehme Beigenuancen und warme Metalltöne, vor allem Gold. Zu sehen war dies nicht nur beim deutschen Trendsetter Kare mit seiner Aquarama-Linie und bei Avantgardist e 15 mit Beistelltischen in Messing oder Kupfer. Auch die Italiener zeigten Gold, Beige und Hellbraun. Weitere Signalfarben 2009: Gelb und Schwarz in Kombination.

Urwüchsig

Die Möbel sollen wieder echt sein, ihre Materialwurzeln sichtbar! Dieses Credo haben sich die Holzmöbelhersteller auf die Fahnen geschrieben. Sowohl bei Scholtissek als auch bei Riwa aus Italien waren imposante Tische aus Rohholz samt Rinde zu sehen. Eine leisere Form der authentischen Holzverarbeitung wählte die japanische Firma Conde House mit ihrem einzelgefertigten Nagare Chair.

Sekretäre. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Laptops die Wiederbelebung einer wunderschönen Möbelgattung begünstigen würden? Der Sekretär ist wieder da! Modern oder klassisch, aus Holz oder Metall, zierlich oder wuchtig. In Köln machten sich mit Team 7 und Voglauer auch zwei Österreicher um diesen Klassiker verdient. Mérci!