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Barbusig für Frauenrechte in Tunesien

Von Alexander U. Mathé

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Todesurteil und Morddrohungen gegen ein Mädchen, | das Oben-ohne-Fotos von sich auf Facebook stellte.


Von Frankreich bis zur Ukraine sind Femen in Europa zu einem fixen Bestandteil von politischen Großereignissen geworden. In Rom protestiert die Frauengruppierung gegen den Papst und gegen Berlusconi, in Paris demonstriert sie gegen Proteste gegen die Homo-Ehe und in Davos wird gegen das Weltwirtschaftsforum geschrien. Inzwischen hat die Bewegung sogar schon in Brasilien Fuß gefasst. Die Kundgebungen laufen dabei stets nach demselben Schema ab: Die Frauen beschriften ihre nackten Oberkörper mit Protestsprüchen und gehen dann so auf die Straße. Die verdatterten Polizisten, die beauftragt sind, die öffentlichen Ruhestörerinnen zu entfernen, wissen gar nicht, wo sie die Randaliererinnen anpacken sollen. Kaum kommt es zum Kontakt, brechen die Demonstrantinnen in medienwirksames Gekreische und Gezeter aus, vor allem, wenn sich ein Kameramann oder Fotograf in der Nähe befindet. Bis auf Weißrussland, wo ihnen diese Proteste eine Internierung eingebracht haben, ist das in Europa nicht weiter ein Problem.

Doch nun hat die Gruppierung Verstärkung an einem sensibleren Ort bekommen: In Tunesien schloss sich Amina Tyler den Aktivistinnen an. So wie ihre Vereinsschwestern auf offener Straße halb nackt zu demonstrieren, daran ist natürlich nicht zu denken - das wäre eher etwas für die Sparte ritueller Selbstmord. Doch schon allein ihr barbusiger Aktivismus im Internet hat ihr Morddrohungen und Verwünschungen eingebracht.

"Mein Körper gehört mir und ist nicht der Ursprung von irgendjemandes Ehre", hat Amina quer über ihre Brust geschrieben und das Bild auf Facebook gestellt. In einem Land, wo moderate Islamisten an der Macht sind, sieht sie - wie viele andere -, Arabischem Frühling und Jasminrevolution zum Trotz, Frauenrechte gefährdet. "Die Nacktheit ist nur ein Mittel, diese Nachricht an den Mann zu bringen, sie ist ganz und gar nicht sexuell motiviert", sagte sie dazu. Dass diese Freiheitsforderung um sich greift, genau davor fürchtet sich der Präsident der tunesischen Kommission für Lasterprävention und die Förderung von Tugend, Iman Adel Almi. Er hat eine Fatwa gegen sie erlassen, der zufolge sie zuerst ausgepeitscht und anschließend gesteinigt werden solle. Dies als Strafe für ihre Unzucht und um zu vermeiden, dass ihr "schlechtes Beispiel" Schule mache. Doch der Funke ist längst übergesprungen. Während sich Teile ihre Familie von Amina distanziert haben, haben sich ihr andere Mädchen angeschlossen und ihre Aktion nachgemacht. Islamisten schlugen am Donnerstag zurück, hackten die Seite von Femen Tunesien und luden stattdessen Verse des Koran hoch.