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Barcelona darf nicht fallen

Von Christoph Rella

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Vor heimischem Publikum zu gewinnen, ist eine schöne Sache, keine Frage. Im Fall von Fernando Alonso, der beim Grand Prix von Spanien in Barcelona den Sieg regelrecht eingefordert hatte, trifft das besonders zu. Und man ist als Beobachter geneigt, ihm diesen Erfolg zu gönnen.

Warum? Ganz einfach, weil er Spanier ist. Haben die Iberer nicht schon genug mitgemacht? Ausgerechnet da, wo man durch Erfolge im Sport die heimatliche Misere in Staat und Wirtschaft vergessen machen könnte, klappt einiges nicht mehr, ist das Ventil, das Empörung und Sorgen in Jubel und Freude umzuwandeln weiß, zunehmend verstopft. Kein Wunder, dass ganz Spanien nach dem enttäuschenden Aus in der Champions League nun im Motorsport nach einem Erfolg lechzte. Alonso hat seinem Land diesen Dienst gern erwiesen. Die spanische Fahne, die im Ziel aus dem Cockpit flatterte, ist Sinnbild für dieses Pflichtbewusstsein.

Allerdings existiert in dieser Gemengelage eine zweite, im Unterbewusstsein vieler Spanier verborgene Erkenntnis, die in ihrer Wirksamkeit mindestens ebenso als Ventil eignet wie ein Sieg. Nämlich die Gewissheit, dass Sebastian Vettel, soll heißen Deutschland, in Barcelona nicht gewonnen hat. Haben die nicht eh schon die Macht in Brüssel und in der Champions League erobert?

Müssen sie auch noch Barcelona haben? Zumindest in der Formel 1 scheint Spanien den Kampf noch nicht aufgegeben zu haben. Und das ist nicht unsympathisch.