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Barenboim in Ramallah gefeiert

Von WZ Online

Politik

Der argentinisch-israelische Dirigent Daniel Barenboim ist am Freitagabend in Ramallah als Gast der ersten palästinensischen Opernproduktion stürmisch gefeiert worden. Nach Berichten der vergangenen Tage über einen angeblichen Boykott des Musikers durch palästinensische Intellektuelle feierte das Publikum den 66-Jährigen im Kulturzentrum der Stadt mit stürmischem Beifall.


"Ich fühle mich hier wie zu Hause, es gab kein einziges Zeichen einer Anfeindung", sagte der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Mit Unterstützung der von Barenboim und des palästinensischen Literaturwissenschaftlers Edward Said (1935-2003) gegründeten Stiftung hatten palästinensische Künstler die Oper "Die Sultanin von Cadiz" des Spaniers Juan Crisóstomo de Arriaga auf die Bühne gebracht. Für das Werk war eigens ein Libretto in arabischer Sprache geschrieben worden.

"Solche Projekte zeigen, dass unter würdigen Bedingungen auch hier die Menschen große künstlerische Leistungen zustande bringen können", sagte Barenboim. Er kritisierte die Politik Israels gegenüber den Palästinensern und forderte erneut einen Stopp jüdischer Siedlungen. "US-Präsident Barack Obama hatte vollkommen Recht, als er jüngst die Israelis zu Selbstreflexion über ihre eigene Politik aufforderte. Leider sehe ich dafür in Israel bisher keine Anzeichen", betonte der Dirigent.

Barenboim unterstützt mehrere Musikprojekte in den Palästinensergebieten und leitet das West Eastern Divan Orchestra mit jungen israelischen und arabischen Musikern. Mit Äußerungen zur israelischen Militäroffensive im Gazastreifen hatte Barenboim zur Jahreswende unter Palästinensern Kritik ausgelöst. Der Dirigent hatte die israelische Blockade des Palästinensergebiets kritisiert, jedoch betont, Israel habe das Recht, seine Bevölkerung gegen Raketenangriffe militanter Palästinenser zu schützen, aber nicht mit Gewalt. (APA/DPA)