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Batliner musste Bio-Energy Holding in Konkurs schicken

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Firma scheitert mit Erdölgewinnung aus Plastikmüll - Ex-Minister im Aufsichtsrat.


Wien/Mauren. Der Bankrott der Bio-Energy-Holding AG mit Sitz im Wiener Ares-Tower, die sich "mit der Herstellung von Erdölsubstituten aus Plastikrestmüll" beschäftigte, hat eine lange Vorgeschichte. Doch in den vergangenen Wochen dürften sich die Ereignisse überschlagen haben.

Am 12. Dezember 2011 wurde Bio-Energy-Vorstand Marcel Schuster abberufen und durch den Hauptinvestor und Aufsichtsrat Thomas Batliner ersetzt. Batliner ist Treuhänder in Liechtenstein und Sohn des Fürstlichen Kommerzialrats und Kunstsammlers Herbert Batliner.

16 Tage später bringt Neo-Vorstand Batliner junior laut Creditreform den Konkursantrag ein.

Die Bio-Energy-Holding AG, die der Vaduzer Ludwig Wilhelm AG gehört, wurde Ende 2009 mit drei Millionen Euro Stammkapital gegründet, um "Geschäftsmöglichkeiten im regenerativen Energiegewinnungsumfeld zu evaluieren". Laut Firmen-Homepage kann die Holding "nach mehr als zehn Jahren Forschung ein komplexes System zur Erzeugung von Mitteldestillaten aus Hausmüll anbieten, das auf einer industriellen Ebene funktioniert".

Farnleitner im Aufsichtsrat

Prominent besetzt ist der Aufsichtsrat. Neben Ex-Wirtschaftsminister Johann Farnleitner ist auch der Verbund-Sales-Manager Karl Gollegger an Bord. Die Entwicklung einer Pilotanlage zur "Erdölgewinnung" aus Plastikmüll wurde der deutschen Tochterfirma BR Biorohöl AG übertragen, die ebenfalls einen Insolvenzantrag stellen wird - wie auch die Tochterfirmen (Orgoil) in der Türkei, in Griechenland, Spanien, Italien, Japan und den USA. "Es wurde massiv in den Aufbau von Kontakten investiert. Darüber hinaus wurde noch keine Geschäftstätigkeit entwickelt", heißt es im Konkursantrag. "Die Entwicklung der Technologie ist aber deutlich hinter den Erwartungen und Planungen zurückgeblieben." Schließlich erwiesen sich die Rentabilität und eine positive Energiebilanz als äußerst fraglich. "Damit ist das Business-Modell nicht mehr haltbar", heißt es weiter.

Insgesamt hat die Holding rund 2,655 Millionen Euro Schulden, davon entfallen 2,357 Millionen Euro auf Darlehen privater Investoren. Mit 150.000 Euro steht die Holding bei Banken in der Kreide. Zwar werden die Aktiva mit einem Buchwert von 5,678 Millionen Euro beziffert, aber davon entfallen 3,696 Millionen Euro auf buchmäßig aktivierte Beteiligungen an den Tochterfirmen. Der Liquidationswert der Aktiva wird "unter eine Million Euro geschätzt". Bei der Volksbank Wien hat die Bio-Energy-Holding AG ein Guthaben von 8339 Euro.