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Bau Holding-Umbau fruchtet früher

Von Helmut Dité

Wirtschaft

"Der Umbau des Konzerns hat früher als erwartet Früchte getragen": Bau Holding-Chef Hans Peter Haselsteiner zeigte sich am Dienstag in Wien mit dem im Rumpfgeschäftsjahr 1999 erzielten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 1,037 Mrd. Schilling zufrieden: "Die Milliarde ist künftig unsere benchmark für ein erfolgreiches Geschäftsjahr." Europas fünftgrößter Baukonzern wird demnächst einheitlich unter der Marke Strabag auftreten.


Die österreichische Bau Holding-Strabag - rund 45 Mrd. Schilling Bauleistung - und die Strabag Köln - etwa 35 Mrd. Schilling - werden künftig über eine E-Commerce-Plattform "ihren zentralen Einkauf aufeinander abstimmen und in wesentlichen Bereichen gemeinsam abwickeln". Darüber hinaus soll die EDV in den beiden Schwesterkonzernen, die von der österreichischen Bibag Bauindustrie Beteiligungs AG beherrscht werden, vereinheitlicht werden. Mangels eines europäischen Aktienrechts, das erst eine Fusion über die Grenzen hinweg ermöglichen würde, wolle man nun auf diese Weise "die Synergien optimal nutzen", erklärte Haselsteiner, und kündigte darüber hinaus eine Vereinheitlichung der an der Wiener Börse notierten Bau Holding-Aktien an. Die Hauptversammlung werde am 29. Juni voraussichtlich einem Umtausch der 1,7 Mill. Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien zustimmen. Die 850.000 Stimmrechtsaktien, die die Bibag zur Beibehaltung der einfachen Mehrheit an der Bau Holding benötigt, werde die Bibag ihren Gesellschaftern abkaufen, sagte Haselsteiner.

Der Umbau hatte u.a. auch die Ausgliederung des Immobilienbesitzes zur Folge, was sich auch in der Bilanz des Unternehmens niederschlägt: die Sachanlagen schrumpften von 7,2 auf 5,4 Mrd. Schilling, die Finanzanlagen stiegen dagegen von 2,4 auf 3,3 Mrd. Schilling. Das Kerngeschäft der Bau Holding bestehe in "industrieller Bautätigkeit", betonte Haselsteiner. Der Jahresüberschuss im Konzern betrug 728,1 Mill. Schilling, der Bilanzgewinn 149, 5 Mill. Schilling, die Dividende soll auf 1,45 (1,09) Euro bei den Stämmen bzw. auf 1,81 (1,45) Euro bei den Vorzügen erhöht werden. Auf Grund der Reorganisation und eines geänderten Geschäftsjahres ist ein direkter Vergleich der Ergebniszahlen nicht möglich. Der Auftragsüberhang stieg von Ende März bis zum Jahresende von 25,8 Mrd. auf das "all time high" von 29 Mrd. Schilling. "In Österreich erwarten wir kein besonderes Wachstum, auch die Preise werden eher gedrückt bleiben", meinte Haselsteiner und kritisierte Infrastruktruminister Schmid: "Seine Aussagen verwirren mich oft, weil ich sie nicht für homogen halten kann". Und: "Wenn die Budgetsanierung hauptsächlich über einen Investitionsstopp erfolgt, dann trifft das die Bauwirtschaft". Als Kostenführer könne man damit leben, aber "die mangelnde Infrastruktur fehlt dann dem Wirtschaftsstandort".

Dass man in Polen bei der geplanten Akquistion nicht zum Zug gekommen ist, schmerzt nicht sehr: "Wir werden unser Ziel, dort Marktführer zu werden, trotzdem, wenn auch langsamer erreichen. Nächste Etappe auf dem Weg dorthin könnte im Herbst der erhoffte Zuschlag für die Ost-West-Autobahn A2 sein."