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Bau-Tycoon wird zum ÖBB-Rivalen

Von Peter Muzik

Wirtschaft

Semper Bank ist sein jüngster Coup. | Schweizer Partner für Bahn-Projekt. | Strabag weiterhin auf Einkaufstour. | Er zählt zu den superreichen Österreichern und ist einer der rührigsten Dealmaker: Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner führt nicht bloß den nach der OMV zweitgrößten Konzern Österreichs, sondern er sorgt so nebenbei fast regelmäßig für Überraschungen.


Dass Haselsteiner im Jänner einen relativ bescheidenen Auftrag (88 Millionen Euro) im Zuge des Fertigbaus des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce erhielt, fand ebenso Beachtung wie seine privaten Coups.

Erst kürzlich stieg der Bau-Tycoon gemeinsam mit einem Konsortium rund um Donau Chemie-Eigentümer Alain de Krassny bei der früheren Constantia Privatbank ein, die nunmehr unter Semper Constantia Bank firmiert. Er übernahm - wie sein Partner - 48 Prozent der Anteile, die restlichen vier Prozent hält der Sanierungsprofi und langjährige Haselsteiner-Weggefährte Erhard Grossnigg.

Sieben Mal Wien-Salzburg und zurück

Haselsteiners Einstieg in die Bankenszene ist fast ebenso bemerkenswert wie ein anderes Engagement des gebürtigen Tirolers, der sein Privatvermögen auf vielfältige Weise anlegt - etwa in das Kärntner Schloss Seefels, Kliniken oder in ein im Privatbesitz befindliches Bahnunternehmen (siehe Tabelle).

Ende Jänner sickerte durch, dass der Strabag-Boss für seine 2008 gestartete Rail Holding AG einen Schweizer Investor an Bord geholt hatte: Die im Kanton Zug ansässige Oldro AG, spezialisiert auf Personen- und Gütertransport, sicherte sich per Kapitalerhöhung mit 9 Millionen Euro 30 Prozent an der Gesellschaft. Wer die eidgenössischen Finanziers sind, die sich hinter Oldro-Strohmann Hanspeter Simmen unsichtbar machen, ist ein gut gehütetes Geheimnis.

Das auf Grund der kommenden Bahnliberalisierung möglich gewordene Projekt "Westbahn", das Haselsteiner mit dem früheren ÖBB-Vorstand Stefan Wehinger durchzieht, befindet sich jedenfalls auf Schiene: Ab Dezember 2011 wird das private Bahnunternehmen der Bundesbahn auf der Strecke Wien-Salzburg mit voraussichtlich sieben modernen Doppelstockzügen stündlich Konkurrenz machen. Die Investitionssumme beläuft sich auf 120 Millionen Euro.

Haselsteiner, der aus einer unscheinbaren Kärntner Baufirma einen internationalen Big Player gemacht hat, ist hauptberuflich die Nummer eins im siebenköpfigen Vorstandsgremium der Strabag SE. Seine Familie besitzt 33,7 Prozent an der börsenotierten Gesellschaft, die Mehrheit (43,3 Prozent) gehört dem Grünen Riesen, sprich: der Raiffeisen/Uniqa-Gruppe.

Ein "Tausendfüßler"mit 930 Unternehmen

Die Baugruppe, die aus 65 österreichischen und 250 ausländischen voll konsolidierten Tochtergesellschaften in 31 Ländern besteht, bringt es auf einen Umsatz von 12 Milliarden Euro und beschäftigt 75.000 Mitarbeiter. Insgesamt besteht das Strabag-Imperium aus 930 weltweit tätigen Tochterfirmen und Beteiligungen. Es konnte das Krisenjahr 2009 gut verkraften, weil Aufträge hereinkamen, die staatlichen Konjunkturprogrammen zuzurechnen sind.

Haselsteiner hat den Konzern, der in Zentral- und Osteuropa zum Branchengiganten schlechthin geworden ist, als "Tausendfüßler" aufgestellt: Die Gruppe ist im Hoch- und Ingenieurbau - Stadien, Kongresshallen, Brücken, Tunnel oder Staudämme -, im Straßenbau, in der Umwelttechnik und im Facility Management tätig. Und zwar nicht bloß auf den Kernmärkten Österreich, Deutschland und Südosteuropa, sondern auch in Nordafrika und im Mittleren Osten. Auch Indien, wo ein U-Bahn-Projekt in Neu Delhi realisiert wurde, ist ein Hoffnungsmarkt. Haselsteiner: "Wenn ein Bein krankt, tragen die anderen weiter."

2009 heimste die Strabag Manier Großauftrag um Großauftrag ein: Im November erhielt sie den Zuschlag für den Bau des Wiener Hauptbahnhofs, wobei ein Drittel des 220 Millionen-Vorhabens auf sie entfällt. In Polen wird sie um 260 Millionen Euro die vierspurige Schnellstraße zwischen Kalsk und Milomyln bauen, in Dänemark eine 26 Kilometer lange Autobahn und in Kenia zog sie gemeinsam mit einem israelischen Partner ein Public-Private-Partnership-Projekt im Volumen von 740 Millionen Euro an Land.

Auch der gegenwärtige Auftragsstand ist beruhigend: Die Strabag wird in Leipzig einen City-Tunnel für 75 Millionen Euro errichten. In der westlichen Himalaja-Region Nordindiens ist ein Tunnel geplant. In Katar baut sie einen Tunnel und in der weißrussischen Stadt Brest eine Kläranlage.

Manchmal gibts natürlich auch Troubles - wie zuletzt in Moskau. Dort stürzte ein Parkdeck einer neugebauten Tiefgarage ein, sodass die Bauaufsicht der Strabag die Lizenz entziehen wollte, was allerdings die russische Antimonopolkommission ablehnte. Die Österreicher sind seit 19 Jahren in Russland tätig und erzielen dort 350 Millionen Euro, rund drei Prozent des Konzernumsatzes. Haselsteiner ist entschlossen, die "diversen Angriffe mafiaähnlicher Organisationen sowie Medienkampagnen zu überstehen".

Zores bereitet auch der Oligarch Oleg Deripaska, der sich im April 2007 mit großem Tamtam zu 25 Prozent an der Strabag beteiligt hatte, jedoch seine Anteile - als er plötzlich finanziell angeschlagen war - an Raiffeisen und Haselsteiner verpfänden musste. Der Russe kann seine Call-Option noch bis 15. Oktober ausüben, sofern er hierfür 548 Millionen Euro zu erübrigen im Stande ist.

Als Sozialrevolutionärkaritativ engagiert

Haselsteiner, der im Vorjahr durch die Übernahme von 10 Millionen Strabag-Aktien dank des Kursanstiegs am Papier um zig Millionen reicher wurde, lässt indes keinen Zweifel daran, dass er sich auch ohne Deripaska am russischen Markt durchsetzen möchte. Auch wenn sich die erhofften Chancen dort noch nicht eingestellt haben, will er seine Einkaufstour fortsetzen.

Auch sonst wirkt der bekennende Freimaurer, der sich auf ein Netzwerk an besten Kontakten verlassen kann, kein bisschen müde: Der langjährige Sponsor des Liberalen Forums, der 2008 nochmals in den politischen Ring gestiegen ist, peilt zwar keine Karriere als Minister mehr an. Aber zu gesellschaftspolitischen Fragen wird er sich wohl weiterhin äußern. Unkonventionell wie gewohnt: Spätestens sein Eintreten für einen Spitzensteuersatz von bis zu 80 Prozent für "absurd hohe Gehälter" trug ihm das Image eines "Sozialromantikers" und "Sozialrevolutionärs" ein.

Haselsteiner, vorige Woche 66 geworden, ist kein Mann der leeren Floskeln: Er betätigt sich als Kunstförderer - als solcher hat er etwa die Tiroler Festspiele Erl entschuldet - und ist einer der gefragtesten Caritas-Spender: Seine Privatstiftung sponsert unter anderem ein vom Jesuitenpater Georg Sporschill initiiertes Sozialprojekt nahe der moldawischen Hauptstadt Chisinau.

Obendrein hat sie in Pirita, einem Dorf an der Grenze zur nicht anerkannten Republik Transnistrien, eine "Stadt der Kinder" mitfinanziert. Dafür bekam der Baulöwe der Ehrenorden der Republik Moldawien für seine sozialen Verdienste um das Land.

Zur PersonHans Peter Haselsteiner wurde am 1. Februar 1944 in Wörgl in Tirol geboren. Er studierte an der Hochschule für Welthandel in Wien und promovierte 1970 zum Doktor der Handelswissenschaften. Zwei Jahre später trat er in den Kärntner Baukonzern Isola&Lerchbaumer ein - Grund war die Heirat mit Ulrike, der Tochter des Firmenchefs. Nach dem Tod des Schwiegervaters bekleidete er bei Gesellschaften der Gruppe, etwa der Ilbau AG oder der Bauholding AG, leitende Funktionen. Mitte 1998 wurde er Vorstandsvorsitzender der Bauholding Strabag AG. Der Vater von drei Söhnen saß viereinhalb Jahre lang für das Liberale Forum im Parlament.

Hans Peter Haselsteiner investiert auch als Privatmann in neue Projekte. Foto: Newald