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Bauern-Sozialversicherung privatisiert Reha-Kliniken

Von Stefan Melichar

Politik

Mehrheitseigner soll Spitäler ausbauen und sanieren. | "Kein substanzielles Potenzial" für Personalkürzungen. | Wien. Die Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) sucht einen privaten Mehrheitseigentümer für ihre Sonderkrankenanstalten. Am 18. Juli will der Vorstand der SVB die Rehabilitationskliniken in Baden, Bad Hall, Bad Schallerbach und Bad Gastein zur Teilprivatisierung ausschreiben. Nach dem Modell des Reha-Zentrums Bad Gleichenberg sollen dabei 26 Prozent der Anteile bei der Versicherung bleiben.


Seit April 2006 ist in Bad Gleichenberg ein neuer Mehrheitseigner am Werk, der bis März 2009 für den Um- und Ausbau der - ehemals ausschließlich in SVB-Besitz befindlichen - Klinik für Lungen- und Stoffwechselkrankheiten sorgt. Nach diesem Vorbild macht die Bauern-Versicherung nun Nägel mit Köpfen und verkauft die Mehrheit an allen ihr verbliebenen vier Sonderkrankenanstalten. Voraussetzung für den Zuschlag ist, so SVB-Generaldirektor Franz Ledermüller, dass der Bieter das gesamte Vierer-Paket erwirbt und insgesamt rund 40 Millionen Euro in Sanierung und Ausbau der Kliniken investiert.

Nicht Wellness im Sinn

"Das Ziel ist, alle Standorte zu sichern", erklärt Ledermüller im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Angesichts rückläufiger Versichertenzahlen aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft würden sich langfristige, massive Eigeninvestitionen der SVB nicht rechnen.

Ein privater Eigentümer habe, so Ledermüller, eher die Möglichkeit, Verträge mit anderen Sozialversicherungsträgern abzuschließen, und könne leichter am "Gesundheitsmarkt" reüssieren. Eines stellt der SVB-Generaldirektor dabei aber klar: "Wir haben nicht Wellness sondern medizinische Rehabilitation im Sinn." Letztere bleibe das "Kerngeschäft".

Ledermüller betont, dass er "kein substanzielles Potenzial" für kurzfristige Rationalisierungsmaßnahmen seitens des neuen Mehrheitseigners sieht. Dieser werde betriebswirtschaftlich gut geführte Häuser übernehmen. Außerdem dürfe bestehendes Personal nur mit Zustimmung der SVB gekündigt werden. Ledermüller glaubt eher, dass durch den Klinik-Ausbau zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Immerhin wolle man die Bettenzahl in Bad Gastein, Bad Schallerbach und Bad Hall von derzeit 335 auf insgesamt 420 "hochfahren".

Die fünf Sonderkrankenanstalten der SVB - inklusive Bad Gleichenberg - betreuen rund 9600 Patienten im Jahr. Die SVB garantiert dem Bestbieter mittels der eigenen Versicherten eine gewisse Auslastung. Mit der Betriebsübergabe an den neuen Eigner rechnet Ledermüller nicht vor 2009.