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Baumaschinenhersteller im Aufwind

Von Andrea Möchel

Wirtschaft

Branchenreport: Die europäische Baumaschinenindustrie blickt optimistisch in die Zukunft.


Wien/München. Immer wenn die Bauma, die weltweit größte Messe für Baumaschinen in München-Riem über die Bühne geht, wird ordentlich geklotzt. So auch im April, als mehr als 3400 Aussteller aus 60 Ländern ihre neuesten Bagger, Tunnelbohrer und Betonmischer auf der "Messe der Giganten" auffahren ließen. Mit dabei: Ein Monstertruck, in dessen Mulde 13 Autos passen, und ein 110 Meter hoher Kran.

Da kam nicht nur bei den Messebesuchern Stimmung auf - die gesamte Branche ist derzeit optimistisch. Letzteres belegt eine Umfrage des Unternehmensberaters McKinsey, bei der sich 69 Prozent der befragten europäischen Baumaschinenhersteller zuversichtlich gaben. Sie rechnen mit jährlichen Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent und einer Verbesserung der Rendite um zwei Prozent bis 2020.

Chancen vor allem außerhalb Europas

Nur jeder zehnte Hersteller geht von schlechteren Geschäften aus. Chancen sehen die Unternehmen vor allem auf den außereuropäischen Märkten und im sogenannten "Aftermarket"-Geschäft, sprich in der Sparte Service und Wartung. Für 60 Prozent der Unternehmen sind diese beiden Entwicklungen die entscheidenden Branchentrends.

"Die Baumaschinenindustrie steht vor großen Umbrüchen", erklärt Detlev Mohr, Leiter der europäischen Automobil- und Maschinenbauberatung von McKinsey. "Hersteller sehen sich in vielen Bereichen mit Veränderungen konfrontiert, mit intensiverem Wettbewerb in den Schwellenländern, mit komplexeren Kundenanforderungen und mit einer stärkeren Regulierung."

Die Analyse "Reengineering Construction Equipment" wurde in Zusammenarbeit mit dem europäischen Verband der Baumaschinenhersteller CECE erstellt, und zeichnet laut McKinsey "erstmals ein Gesamtbild dieser Industrie".

Rückstau bei Infrastrukturprojekten

Besonders optimistisch sind die Baumaschinenhersteller in Nordeuropa. Ihre Wachstumserwartungen liegen sogar zwei Punkte über dem Durchschnitt. Dicht gefolgt von den südeuropäischen Unternehmen, die zwischen sechs und sieben Prozent Wachstum erwarten. "Das hat mit der fehlenden lokalen Nachfrage der vergangenen Jahre zu tun, und dem daraus resultierenden Rückstau bei den Infrastrukturprojekten", lautet die Erklärung von McKinsey.

Insgesamt umfasst die Branche in Europa rund 450 Hersteller. Sie beschäftigen 150.000 Mitarbeiter und setzen rund 40 Milliarden Euro pro Jahr um. Als Zentren der Industrie gelten Deutschland, Italien und Frankreich. In diesen Ländern firmieren mehr als die Hälfte der Hersteller. Geprägt ist die europäische Maschinenbaubranche von KMU: Zwei Drittel der europäischen Fabrikanten erzielen weniger als 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr, nur zehn Prozent kommen auf einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Gleichzeitig sind die Hersteller international ausgerichtet: Mehr als 40 Prozent der Umsätze werden außerhalb Europas erwirtschaftet; vor allem in Nordamerika, im Nahen Osten und in Asien. "Die Studie zeigt, dass das Wachstum neuer Absatzmärkte und das größere Servicegeschäft die Branche in den nächsten Jahren prägen werden", ist Experte Erik Sjödin überzeugt. Zwar sind die Hersteller nach eigener Einschätzung auf diese Veränderungen gut vorbereitet, Defizite gibt es allerdings bei der Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, und beim Ausbau der Angebotspalette in Richtung Finanzierung und Leasing.

Mehr Nähe zum Endkunden

"Die zentralen Erfolgsfaktoren in der Industrie werden sich ändern - von einem starken Fokus auf operative Exzellenz hin zu einer stärkeren Kundenorientierung", glaubt Sjödin. Letzteres bringt auch die großen Player in Zugzwang. "Im Vergleich zu kleineren Unternehmen haben sie in der Regel zwar mehr gut etabliertes Händlernetzwerke, sind aber auch oft weiter weg von den Endkunden", warnt die McKinsey-Studie.

Während derzeit Größenvorteile und kosteneffiziente Produktion als wichtigster Erfolgsfaktor gelten, seien in Zukunft eine Spitzenposition bei neuen Technologien sowie ein noch intensiveres Kundenverständnis entscheidend. Dazu zählen auch kundenspezifische Anpassungen der Maschinen, sowie datenbasierte Modelle, die Auszeiten und Energieverbrauch reduzieren. Sjödin: "Kunden werden von den europäischen Baumaschinenherstellern künftig erwarten, aktive Partner bei der Optimierung der Maschinennutzung und der damit einhergehenden Wertschöpfung zu werden."