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Baumax trennt sich von Rumänien-Geschäft

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Alle 15 Märkte an französischen Baumarktriesen Adeo verkauft - weitere Länder auf dem Prüfstand.


Klosterneuburg. Die angeschlagene Baumarktkette Baumax hat ihre erste Auslandstochter verkauft: Die Gesellschaft in Rumänien mit 15 Filialen geht an die französische Adeo-Gruppe. Adeo habe sich im Kreis der Mitbieter durchgesetzt, teilte Baumax am Dienstag mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Genehmigung durch das Kartellamt in Rumänien steht noch aus.

Alle Standorte sollen unter dem Namen Leroy Merlin fortgeführt werden. Mit dieser Handelsschiene ist die Adeo Gruppe, der zweite Baumarktriese Europas neben Kingfisher aus Großbritannien, bereits in Rumänien vertreten. Für Baumax sei der Verkauf der Rumänien-Tochter ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Umsetzung des Restrukturierungsplans, der bis 2016 angesetzt ist, teilte Baumax mit.

Kroatien-Tochter hatAusgleich beantragt

Mit 15 Märkten hat Baumax etwa doppelt so viele Standorte wie jeweils in Bulgarien, Kroatien und der Türkei. Die Filialen in diesen größten Verlustbringer-Ländern werden bis Jahresende geschlossen oder veräußert. Die mit rund einer Milliarde verschuldete Heimwerkerkette eröffnete 2006 seinen ersten Baumarkt in Rumänien. Wie in anderen osteuropäischen Ländern, in denen Baumax in den vergangenen Jahren expandierte, erfüllten sich die Erwartungen nicht. Jahrelange Verluste bedrohen die Existenz der Baumarktkette. Das Unternehmen will sich nun auf die Kernländer Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien mit 121 Standorten konzentrieren.

Die Kroatien-Tochter von Baumax hat im Juni ein Ausgleichsverfahren beantragt. "Damit hat Baumax die Restrukturierung offiziell angemeldet", sagt Baumax-Sprecherin Monika Voglgruber. Der Geschäftsbetrieb werde normal weitergeführt. Mit dem angemeldeten Verfahren werden Sperren von Konten verhindert, um kurzfristige Verbindlichkeiten und Gehälter bezahlen zu können. Außerdem will man sich mit den Gläubigern auf den Verzicht eines Teils der Forderungen einigen, um die Fortführung des Unternehmens sicherzustellen. Baumax beschäftigt 486 Mitarbeiter in Kroatien und betreibt acht Standorte. Die deutsche Kette Obi und die französische Bricostore haben das Land bereits verlassen.

Auch in der Türkei stehen die Zeichen auf Rückzug: Die mittlerweile vom Markt verschwundene deutsche Baumarktkette Praktiker schickte ihre türkische Tochter im Februar 2013 in Insolvenz, weil sich kein Investor gefunden hatte. Auch Leroy Merlin hat sich aus der Türkei verabschiedet.

Wert der Sammlung Esslhöher als gedacht

Zur Sanierung der Baumarktkette könnte auch der Verkauf der Sammlung Essl mit 4900 Werken beitragen. Baumax-Gründer Karlheinz Essl hat die Sammlung im April der Republik Österreich zum Kauf angeboten - diese hat aber abgelehnt. Bis Ende Juni sollten die Gutachten zum Schätzwert der internationalen und nationalen Werke vorliegen. "Wir haben bisher noch keine offiziellen Informationen", sagt Thomas Uhrmann, Sprecher des Essl Museums in Klosterneuburg. Laut dem "Standard" dürfte der Wert der gesamten Sammlung Essl zwischen 130 und 160 Millionen Euro liegen - deutlich höher als der von Essl verkündete Buchwert von 86 Millionen Euro.

Der Kreditschutzverband (KSV) 1870 sieht weiterhin ein erhöhtes Risiko bei Baumax. "Aus Bonitätsgründen kann die Aufnahme einer Geschäftsverbindung derzeit nicht empfohlen werden", steht im aktuellen KSV-internen Unternehmensprofil. Die Gruppe mit Sitz in Klosterneuburg hat im Vorjahr einen Verlust von 189 Millionen Euro geschrieben, nach 126 Millionen 2012. Durch die beabsichtigen Verkäufe oder Schließungen rechnet Baumax für 2014 mit einer deutlichen Ergebnisverbesserung.