Zum Hauptinhalt springen

Bäumchen, wechsle dich

Von Reinhard Göweil

Leitartikel

Recht viel kurioser hätte die Aufsichtsratssitzung am Flughafen Wien nicht enden können. Der Aufsichtsratschef wird Geschäftsführer, der jetzige Geschäftsführer geht. Seine beiden Kollegen in der Geschäftsführung gehen auch - aber erst Ende 2011. Dann allerdings wird der neue Geschäftsführer, also der jetzige Aufsichtsratspräsident, wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren. Alles klar?


Was bei dieser Lösung vertrauensbildend sein soll, weiß kein Mensch. Außer man räumt den verbalen Schutt beiseite. Nach der Rochade ist der Geschäftsführer ein "Schwarzer" und der neue Aufsichtsratspräsident ein "Roter". Vorher wars umgekehrt. Niederösterreich und Wien, jeweils mit 20 Prozent am Flughafen beteiligt, lassen grüßen.

Christoph Herbst, der Präsident/Geschäftsführer, ist ein Vertrauter von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll. Dafür ist nun Karl Samstag Vorsitzender des Aufsichtsrates, ehemaliger Bank Austria-Generaldirektor mit besten Verbindungen ins Rathaus. Was also an dieser Lösung unpolitisch sein soll, wie es manche Kommentatoren meinen, erschließt sich nicht ganz genau.

Dazu kommt, dass der künftige Geschäftsführer Herbst seit 2002 im Aufsichtsrat sitzt. Er hat das Skylink-Debakel dort miterlebt und bisher keinen Grund gefunden, dem Vorstand zu misstrauen. Nun tat er es. Warum, erschließt sich dem staunenden Betrachter nicht.

Es ist anzunehmen, dass Herbst die Verantwortung über Skylink übernehmen wird. Ob die auf mehr als 800 Millionen Euro verdoppelten Kosten deswegen deutlich gesenkt werden können, erschließt sich genauso wenig. Der deswegen aus Niederösterreich in den Vorstand entsandte Ex-Politiker Gabmann schaffte es jedenfalls nicht.

Aber dafür muss er auch gehen, genauso wie der für Technik zuständige Vorstand Schmid. Aber erst in einem Jahr. Warum ausgerechnet in einem Jahr, erschließt sich nicht.

Außer, es muss leider wiederholt werden, man räumt den Verbal-Schutt beiseite: Niederösterreich und Wien haben eine aktienrechtlich unantastbare Lösung gefunden, das "Bäumchen-wechsle-dich-Spiel" zu spielen. Dass der Kleinanlegervertreter im Aufsichtsrat dies zu "drei Viertel" okay findet, erschließt sich daher ganz und gar nicht.