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Bausparen für Pflege und Bildung

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Ab 1. September müssen Bausparer ihr Darlehen nicht mehr zwingend fürs Bauen oder für den Wohnraum verwenden. Das Geld steht dann auch für Pflege und Bildung zur Verfügung. Mit dieser Erweiterung der Zweckbindung hoffen die Bausparkassen neue Kunden gewinnen zu können.


Der Druck zur Eigenvorsorge steigt, je mehr bei Sozialleistungen der Rotstift angesetzt wird. Die Überalterung der Gesellschaft, der steigende Pflegebedarf, sinkende Pensionen sowie die Einführung von Studiengebühren haben den Bausparkassen gezeigt, dass es ein großes Kundenpotenzial gibt.

In langen Verhandlungen mit dem Finanzministerium konnten sie durchsetzen, dass ab September das mit einer staatlichen Prämie geförderte Bausparen nicht mehr allein dem Wohnraum gewidmet werden muss. Sollte nach Ablauf des Bausparvertrages ein Darlehen für Pflegezwecke oder für die Aus- und Weiterbildung benötigt werden, dann kann dies zu relativ günstigen Konditionen (die Zinsobergrenze liegt bei 6%) gewährt werden.

Womit Bausparer allerdings nicht rechnen dürfen, sind drei prämienbegünstigte Verträge für Wohnen, Pflege und Bildung. "Das hätte uns zwar gefallen, dem Finanzminister jedoch weniger", erklärt der Direktor Raiffeisen Bausparkasse Erich Rainbacher im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sollte ein 70-Jähriger nach abgelaufenem Bausparvertrag ein Pflegedarlehen benötigen, so werden die Kinder in die Pflicht genommen. Gibt es keine Nachkommen, muss die Eigentumswohnung oder anderes Vermögen als Sicherheit herhalten.

Den Bausparkassen fehlen die Kreditkunden, denn sie verfügen über einen Liquiditätsüberschuss von 4,3 Mrd. Euro. Allein bei Wüstenrot macht die Differenz zwischen Einzahlungen und Ausleihungen 1,7 Mrd. Euro aus. Dies quittiert Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer mit den Worten: "Natürlich brauchen wir neue Kreditkunden." Da dies wegen der immer noch beliebten Fremdwährungskredite beim Hausbau ein schwieriges Geschäftsfeld ist, mussten neue erschlossen werden. Einen Zukunfsmarkt sieht Riess-Passer im betreuten Wohnen.

Sparen für den Notgroschen

Der Hauptgrund fürs Sparen ist der Notgroschen, dies zeigt eine neue Umfrage des Fessel-Gfk-Instituts. Dass kleine Sparer, die geringe Summen auf einem täglich fälligen Sparbuch anlegen, durch die mickrigen Zinsen und bei der derzeitigen Inflationsrate real einen Verlust einfahren, ist evident.

Bei der Umfrage zeichnet sich weiters ein signifikantes Wohlstandsgefälle ab. Junge, Berufstätige und besser Verdienende gedenken in den nächsten drei Jahren weit mehr zu sparen als heute. Indes haben viele Menschen über fünfzig, wenn sie wenig verdienen oder sozial schlecht gestellt sind, das Gefühl, dass sie noch weniger auf die Seite legen können als bisher. Dies trifft auf die Hälfte der Befragten zu, die angaben, heute weniger sparen zu können als noch vor 3 Jahren.