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Baustelle 2010: Tourismus

Von Reinhard Göweil

Leitartikel

Die Banken sind stabilisiert, die Industrie hat die Talfahrt wenigstens gestoppt, die nächste - krisenbedingte - Baustelle wartet aber bereits: Der heimische Tourismus. Der Bereich ist ein wichtiger Träger der heimischen Wertschöpfung, ein verlässlicher Devisenbringer und ein bedeutender Arbeitgeber.


Wer sich in diesem Winter auf den Skipisten tummelt, kann es aber kaum übersehen: Die Leute sparen. Immer mehr fahren im Winter in die Sonne, nicht nur wegen der Wärme, sondern auch wegen des Geldes: Eine Woche "Thailand pauschal" ist für eine Familie günstiger als eine Woche Ski-Urlaub. Am Ende der Wintersaison werden wohl einige Hoteliers und Liftbetreiber mit langen Gesichtern dastehen.

Auf die heimische Wirtschaftspolitik kommt hier einiges zu. Ende Februar will Minister Mitterlehner die neuen Tourismus-Schwerpunkte bekannt geben. Eine der Stoßrichtungen: Stärkere Vernetzung der Regionen, als Beispiel wurde schon eine gemeinsame "Donau-Strategie" genannt. Ober-, Niederösterreich und Wien gingen hier in der Vergangenheit nur bedingt gemeinsame Wege.

Mit dem Effekt, dass so mancher Werbe-Euro für den Tourismus recht sinnlos ausgegeben wurde. In Relation zählt Österreich immer noch zu den erfolgreichsten Tourismus-Nationen. Dieser Rang wird sich sogar verbessern - aber nur, weil andere noch stärker verlieren.

Es wird eine ziemliche Kraftanstrengung verlangen, umfangreichere Insolvenzen in der Fremdenverkehrswirtschaft zu verhindern: Die selbst durch die Krise getroffenen Banken müssen Geduld zeigen; der Föderalismus wird zur Seite stehen müssen; die Unternehmer werden sehr gute Ideen haben müssen; und die Sozialpartner haben in der Branche, in der die Löhne ohnehin nicht besonders hoch sind, einiges vor sich.

Und auch hier wird der Staat eine Rolle als Kapitalstütze spielen müssen. Angesichts der heuer wohl steigenden Arbeitslosenzahlen und des ohnehin hohen Budgetdefizits kein leichtes Unterfangen. Mit Zeitverzögerung holt die Wirtschaftskrise heuer auch den Tourismus ein. Ein Einbruch käme aber noch teurer als eine kluge, vielleicht auch kostspielige Tourismus-Strategie.