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Baustellen-Herbst an den Unis

Von Katharina Schmidt

Politik

ÖH arbeitet an "alternativem Hochschulplan". | Voranmeldungen: Uniko und Studenten planen Verkürzung der Inskriptionsfrist.


Wien. Die Tage des wütenden Protests sind vorbei. Stattdessen will sich die neugewählte Studierendenvertretung konstruktiv einbringen, um die ihrer Meinung nach vorherrschende Schieflage in der Hochschulpolitik wieder gerade zu rücken. "Wir werden keine Hörsäle besetzen", versprach die grüne Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), Janine Wulz, am Freitag.

Stattdessen will die ÖH-Exekutive ihre breite Basis - seit Juni gibt es eine Viererkoalition aus Grünen und Alternativen Studenten (Gras), Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ), Fachschaftslisten (FLÖ) und der Fachhochschul-Fraktion Fest - dazu nutzen, einen "alternativen Hochschulplan" zu erstellen. Fünf Arbeitsgruppen, in denen Studierende, Lehrende, aber auch Vertreter der Sozialpartner und Experten zu Wort kommen, sollen sich mit den Themen Hochschulfinanzierung, Qualität der Lehre, soziale Absicherung der Studierenden, Wissenschaft und Forschung sowie Hochschulorganisation auseinandersetzen. Ein erster Zwischenbericht des "Forums Hochschule" soll im Dezember - also zeitgleich mit dem Hochschulplan von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle - vorliegen. Bis Anfang 2012 will die ÖH ein Konvolut konkreter Vorschläge auf den Tisch legen - freilich ohne Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

Wulz beklagte die mangelnde Einbindung der Studierenden in die Erstellung des Hochschulplans. Aus dem Ministerium hieß es dazu, ein "konstruktives Einbringen seitens der ÖH" sei "gern gesehen".

"Es gibt für Unis keine Planungssicherheit"

Doch der Hochschulplan ist nicht die einzige Baustelle, mit der Töchterle zu kämpfen hat: Die noch von seiner Amtsvorgängerin Beatrix Karl mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied vereinbarten Neuerungen zum Studienanfang sind massiv in der Kritik. So wird die verpflichtende Voranmeldung für ein Studium in Österreich bis 31. August derzeit von ÖH und Universitätenkonferenz schon wieder überarbeitet. Denn die heuer erstmals angewendete Regelung, die eigentlich zu mehr Planbarkeit hätte führen sollen, brachte eine Flut an Erstanmeldungen - alleine an der Uni Wien haben sich mehr als doppelt so viele Interessierte angemeldet als im vergangenen Jahr neu inskribiert haben.

Margret Friedrich, Vorsitzende des Forums Lehre in der Uniko, zeigt sich angesichts dieser Zahlen "erschrocken - es gibt keinerlei Planungssicherheit", sagt sie. So rasch wie möglich soll daher die Voranmeldung wieder gestrichen werden, dafür wolle man das Ende der Inskriptionsfrist (die Nachfrist dauert derzeit bis Ende November) auf den Semesterbeginn vorverlegen.

Studieneingangsphase ein "Schnellschuss"

Ein "Schnellschuss" war aus Friedrichs Sicht auch die neue Studieneingangs- und Orientierungsphase (Steop), die innerhalb kürzester Zeit - das Gesetz wurde erst im März beschlossen - in allen Lehrplänen für Bachelor- und Diplomstudien verankert werden musste. Die Steop am Beginn jedes Studiums, das bisher ohne Zugangsbeschränkungen ausgekommen ist, muss ein Semester lang sein und mit mindestens zwei Prüfungen enden. Diese dürfen nur je einmal wiederholt werden - die Unis können aber autonom eine dritte Antrittsmöglichkeit festlegen, was die meisten auch getan haben. An der Uni Wien wird darüber erst zu Semesterbeginn diskutiert, heißt es dort.

In der Luft zerrissen hat die Uniko am Freitag auch den Verordnungsentwurf für die verpflichtende Studienberatung. Die Rektoren sahen "Schikane" und "grenzenlosen Formalismus". Im Ministerium hieß es dazu, die Stellungnahmen der Hochschulpartner würden "sehr ernst genommen", müssten zunächst aber noch gesichtet werden.

Anschauen müssen wird sich Töchterle auch die Frage der Studiengebühren, der Studienplatzfinanzierung und der Mediziner-Quoten. Ja, es wird ein heißer Uni-Herbst.