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Bawag: Die Sängerknaben mit Heiligenschein

Von Wolfgang Zaunbauer

Analysen

Dass so viele Heiligenscheine verteilt würden, hätte er nicht gedacht, sagte Herbert Eichenseder, Anwalt von Investmentbanker Wolfgang Flöttl, mit Blick auf die Plädoyers in Bawag-Prozess. "Plötzlich sind alle Vorstandsmitglieder Sängerknaben." Dabei hätten doch sämtliche Vorstände die Verträge für die Karibik-Geschäfte mitunterschrieben. Gerade Christian Büttner sei nicht der Säulenheilige, als der er dargestellt werde. | Dessen Anwalt hatte das Gericht gebeten, "machen Sie aus Büttner keinen Verbrecher". Dieser sei als einziger gegen die Geschäfte aufgetreten und deshalb im Vorstand isoliert und belogen worden.


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Eine ähnliche Opfer-Strategie fährt auch der Anwalt von Ex-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger. Sein Mandant sei "ein gerader Michl" und einem "Kartell der Lügner" aufgesessen.

Auch Ex-Vorstand Josef Schwarzecker will von nichts gewusst haben. Er sei viel zu "nervös" gewesen, als dass die Verantwortlichen ihn als Mitwisser "ins Boot hineingenommen" hätten, sagt sein Anwalt Ernst Schillhammer. Verantwortlich sei die "Bank in der Bank", also die früheren Generaldirektoren Helmut Elsner und Johann Zwettler sowie Ex-Generalsekretär Peter Nakowitz. Schillhammer deutet allerdings an, dass auch zwei führende Angestellte aus der Bilanz- und Beteiligungsabteilung dazu gehört hätten. Beide waren zwar als Zeugen geladen, auf der Anklagebank sitzen sie nicht.

Ebenso wie Schwarzecker will auch sein Kollege Hubert Kreuch getäuscht worden sein. Er habe darauf vertraut, "dass alle ihre Aufgabe verantwortungsvoll erledigen", so wie er es stets getan habe. Statt dessen sei er belogen und falsch informiert worden. "Die Täuschung zieht sich wie ein roter Faden durch den Fall", wie seine Anwältin erklärte.

Soweit zu den Getäuschten. Doch wie schaut die Strategie jener aus, die angeblich getäuscht haben?

Für Rudolf Breuer, Anwalt von Nakowitz, war sein Mandant lediglich der Laufbursche von Elsner, zu unbedeutend, als dass er für die Geschäfte verantwortlich zu machen sei. Im Übrigen konzentrierte sich Breuer seit Prozessbeginn darauf, die Rechtmäßigkeit der Anklage zu bezweifeln.

Wirtschaftsprüfer Robert Reiter, der laut Anklage mitgeholfen hat, die Verluste in den Bilanzen zu verstecken, hält sich für ebenso unschuldig. Sollte er einen Fehler gemacht haben, dann sicher ohne Vorsatz.

Auch Johann Zwettler habe bezüglich des Vorwurfs der Untreue nicht vorsätzlich gehandelt, sagen seine Anwälte, höchstens leichtsinnig. Allerdings hat er Bilanzfälschung eingeräumt, was ihm auch wirklich leid tue. Seine Verteidiger setzen dann auch ganz auf das reuige Geständnis und die angeschlagene Gesundheit ihres Mandanten.

Diese führte auch Wolfgang Schubert im Falle Elsners an: Wenn schon eine Strafe, dann bitte eine milde. Gerade beim Ex-Bawag-Boss sind die Milderungsgründe allerdings dünn gesät. Von Schuldeinsicht oder Reue keine Spur. Die Verluste seien die Folge einer internationalen Finanzkrise gewesen, sagte Schubert: "Ein Systemrisiko wurde nicht erkannt." Als Hauptschuldiger steht für Elsner aber Wolfgang Flöttl fest. Dieser habe sich nicht an die Verträge gehalten.

Diesen Vorwurf lassen Flöttls Anwälte nicht gelten. Flöttl habe laut den Verträgen tun und lassen dürfen, was er wollte. Dass er ein Risikoinvestor gewesen sei, sei allgemein bekannt gewesen. Außerdem: "Wenn Wahnsinnige einen Wahnsinnigen engagieren, dann kann der Wahnsinnige gar nichts dafür."