Zum Hauptinhalt springen

Bawag droht jetzt kein Störfeuer mehr

Von Karl Leban

Wirtschaft

Verkaufsprozess war eine "Straße mit Tretminen." | Wien. Nach dem Auffliegen der folgenschweren Bawag-Affäre, dem größten Finanzskandal in der Zweiten Republik, sind nun die Richter und Staatsanwälte am Wort. Dass noch weitere Bomben hochgehen, die der Bawag nachhaltig schaden und den Verkaufserlös für den ÖGB mindern könnten, wird im Umfeld der Bank nicht befürchtet.


Einer geordneten Übergabe des Hauses an den US-Fonds Cerberus, den neuen Bank-Eigentümer, sollte daher nichts im Wege stehen, heißt es. Überzeugt ist man auch, dass der bevorstehende spektakuläre Prozess gegen die einstige Bawag-Führungsriege um Helmut Elsner - es geht hier um milliardenschwere Fehlspekulationen und Bilanzmanipulation - keine Auswirkungen mehr auf das Geschäft der Bawag haben wird. Ebenso überzeugt ist man, dass aus den USA kein Ungemach mehr droht. Dort war die Bank in dubiose Geschäfte mit dem Brokerhaus Refco involviert, nach dessen Pleite hat sie sich bei den Refco-Gläubigern von teuren Klagsrisiken freigekauft.

Unter Cerberus soll nun in der Bawag neu durchgestartet werden. Die Fäden ziehen die Amerikaner spätestens ab Mai - bis dahin soll der Bankverkauf rechtlich abgeschlossen sein und der Aktientransfer (Closing) erfolgen.

Für den ÖGB, den das Bawag-Desaster in eine existenzbedrohende Lage manövrierte, war der aus der Not geborene Verkauf jedenfalls eine "Reise ins Ungewisse". Was am Ende des Tages unter dem Strich herauskommen und ob der Verkaufserlös das Überleben des hoch verschuldeten ÖGB sichern würde, war vor dem Hintergrund der Karibik- und Refco-Affäre völlig offen. Weil der Preis die "entscheidende Variable" war, wie es auf Verkäuferseite heißt, galt es, mit sportlichen Ambitionen das Maximum herauszuholen - obwohl "klar war, dass hier eine Straße mit Tretminen durchlaufen werden muss".

Dass es letztlich 3,2 Mrd. Euro wurden (2,6 Milliarden, die der ÖGB kassiert, und 600 Mio. Euro als frisches Kapital für die angeschlagene Bawag), war "so ziemlich das Ende der Fahnenstange"; vor allem wegen der Bieter, die sich - hungrig auf die riesige Vertriebsmaschinerie der Bawag - mit ihren Kaufofferten hochlizitiert haben.

Dass Cerberus trotz eng beieinander liegender Gebote letztlich den Zuschlag erhielt (und nicht die Bayern-LB, Lone Star oder die deutsche Allianz als vierter Bieter in der "Reserve"), hatte primär damit zu tun, dass die Amerikaner mit Generali, Wüstenrot, der Post und der Gruppe um Hannes Androsch herzeigbare österreichische Partner an Bord gebracht hat. Sein "Heuschrecken"-Image konnte der US-Fonds so ummanteln.