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Bawag: Flöttl als Fass ohne Boden

Von Wolfgang Zaunbauer

Politik
Wolfgang Flöttl kam die Bawag sehr teuer. Foto: ap

"Business Week": Flöttl war als aggressiver und riskanter Investor bekannt. | Ex-Aufsichtsratschef Weninger fühlt sich betrogen. | Wien. Die Klingen waren geschärft und die Visiere neu eingestellt, als am Montag nach einer Woche Verhandlungspause der 17. Tag im Bawag-Prozess anstand. Doch schon der erste Schuss des Hauptangeklagten Ex-Bawag-Generaldirektors Helmut Elsner gegen den Investmenbanker Wolfgang Flöttl ging nach hinten los.


Bisher hat sich Elsner immer auf Artikel in amerikanischen Wirtschaftszeitungen berufen, wenn es darum ging, das ursprüngliche Vermögen Flöttls zu bewerten. Elsner ging dabei von einem Milliarden-Besitz aus. Nun zitierte Staatsanwalt Georg Krakow just aus einem der angegebenen Blätter, dem renommierten "Business Week" aus dem Jahr 1994. Darin wird zwar das Vermögen Flöttls angedeutet, viel interessanter sind jedoch die Passagen über die Geschäfte des Investmentbankers.

Das US-Magazin beschreibt Flöttl als "aggressiven Investor", der "gewaltige Marktwetten" abgeschlossen habe. Diese Investments seien potentiell riskant, schließt "Business Week".

Dieser mediale Ausflug des Staatsanwalts könnte sich demnach so lesen lassen: Hätten die Verantwortlichen in der Bawag die Zeitungen aufmerksam gelesen, hätte ihnen bewusst sein müssen, dass sie mit Flöttl ein Risiko eingingen.

Nach Verlusten weitere 492 Millionen für Flöttl

Nichts desto trotz hielt Elsner auch nach den Verlusten vom Oktober 1998 (639 Millionen Dollar) an Flöttl fest. Neben einem Betriebsmittelkredit über 80 Millionen Dollar wurden Flöttls Firmen noch im Oktober weitere 250 Millionen für den Ankauf einer Yen-Option zur Verfügung gestellt. Damit sollten die Verluste wettgemacht werden. Statt dessen erwies sich Flöttls Ross Capital Markets (RCM) als Fass ohne Boden. Bereits im November 1998 überwies man weitere 48 Millionen, im Jänner 1999 insgesamt 30 Millionen, 34 Millionen im Februar und am 11. April 1999 schließlich 50 Millionen.

Für Elsner dienten diese Zahlungen der Verlängerung jener Yen-Option, die im Oktober 1998 als "Paket" beschlossen wurde. Dennoch habe es für jede einzelne dieser Überweisungen einen Vorstandsbeschluss gegeben, versicherte Elsner.

Dieser Behauptung widersprachen die ebenfalls angeklagten Ex-Bawag-Vorstände Christan Büttner, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker. Sie hätten von diesen Krediten an Flöttl, die über jene 250 Millionen für die Yen-Option hinausgingen, nichts gewusst. Schriftliche Vorstandsprotokolle, die Elsners Aussagen stützen könnten, liegen dem Gericht übrigens keine vor.

Auch Ex-Aufsichtsratschef Günter Weninger widersprach Elsner vehement, als dieser meinte, "größten Wert" darauf gelegt zu haben, dass Weninger informiert gewesen sei. "Ich weise diese Behauptung schärfstens zurück, das ist ein Betrug an mir", so der frühere Top-Gewerkschafter deutlich erbost. "Mann kann mich da nicht hineinziehen und sagen, ich habe von Dingen gewusst, wo nicht einmal alle Vorstandsmitglieder davon gewusst haben", sagte Weninger und bezeichnete Elsners Aussage als "Schutzbehauptung".

Als sich schließlich der Yen nicht wie gewünscht gegenüber dem Dollar abschwächte, wurde die Option nicht mehr verlängert, womit die Verluste der Bawag die Milliarden-Dollar-Grenze überschritten. In den kommenden Tagen geht Richterin Claudia Bandion-Ortner der Frage nach, weshalb trotz dieser erneuten Verluste weiterhin mit Flöttl Geschäfte gemacht wurden.