Zum Hauptinhalt springen

Bawag-Innenrevision prüfte "intensiv und professionell"

Von Wolfgang Zaunbauer

Politik

Risikobewertung der Karibik-Deals | war nicht möglich. | Neue Ermittlungen wegen Stiefelkönig. | Wien. Die Karibik-Geschäfte mit Wolfgang Flöttl seien umfassend und professionell geprüft worden, eine Risikoeinschätzung sei jedoch nicht möglich gewesen, erklärte der frühere Leiter der Bawag-Innenrevision, Leopold Krondorfer, am Mittwoch im Bawag-Prozess. Was Flöttl mit den Geldern genau gemacht habe, sei nicht feststellbar gewesen, da es dazu keine Unterlagen gab (etwa welche derivativen Produkte gehalten wurden).


Den bankinternen Prüfern sei lediglich mitgeteilt worden, Unterlagen zu Sicherheiten lägen bei Helmut Elsner. "Natürlich konnte ich nicht zum Generaldirektor hingehen und in den Tresor schauen. Das wäre nicht gut angekommen", sagte Krondorfer. Elsner vermutet einen Irrtum des früheren Chefrevisors. Sicherheitszusagen habe es nur bei einem nicht zustande gekommenen Warengeschäft mit Flöttl gegeben, so der Angeklagte.

Als letzter Zeuge in diesem Jahr stand dann der liechtensteinische Treuhänder Kuno Frick jun. im Zeugenstand, der jene vier Stiftungen verwaltete, mit denen laut Anklage die Verluste verheimlicht wurden. Obwohl selbst Stiftungsvorstand habe er stets nur auf Weisung der Bawag gehandelt, sagte Frick. Offizielle Stifterin war allerdings die Bawag-Tochter "Austinvest" - damit liefen die Stiftungen außerhalb der Bawag.

Codename "Paris"

Im Auftrag der Austinvest unterzeichnete Frick auch jene Pariser Verträge, in denen Flöttl als Entschädigung für die ersten Karibik-Verluste der Bawag Liegenschaften und Gemälde übertrug. Da Frick diese "nicht alltäglich" erschienen, bestand er darauf, dass auch ein Bawag-Vertreter mitunterzeichnete. Dieser Vorschlag "stieß auf wenig Gegenliebe". Schließlich habe man sich darauf geeinigt, dass Generalsekretär Peter Nakowitz für die Bawag mit dem Codenamen "Paris" unterschrieb.

Die Bewertung der Gemälde, die in die Stiftungen einflossen, sei von der Bank gekommen. Gefragt, ob die Bawag denn dazu fähig sei, antwortete Frick, einer Großbank traue er das schon zu.

In der letzten Novemberwoche werden die Gutachter Fritz Kleiner und Thomas Keppert ihre Erkenntnisse zu den Flöttl-Deals und Bawag-Bilanzen darlegen, bevor der Prozess bis Mitte Jänner pausiert. Unterdessen droht den Ex-Bawag-Vorständen neues Ungemach. Laut der Zeitschrift "News" ermittelt das Bundeskriminalamt gegen Elsner und Co. wegen des Verdachts der Untreue im Zuge der Übernahme der Schuhhandelskette Stiefelkönig im Jahr 2003. Damals sollen Millionenkredite an die Stiefelkönig-Gründerfamilie Herzel nicht ordnungsgemäß rückgeführt worden sein.