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"Bawag P.S.K." - Der Sonderstatus als Hausbank der Republik wackelt

Von Karl Leban

Analysen

Für den Verkauf der Bawag ist vergangenen Freitag offiziell der Startschuss gefallen. Wer das Rennen macht, wird noch heuer feststehen.


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Weil eine kartellrechtlich saubere Lösung angestrebt wird (die Bank soll als Ganzes erhalten bleiben), sind ausländische Bieter gegenüber den Größen der heimischen Bankenszene im Vorteil. Ein Verkauf ans Ausland ist für die Bawag-Führungsriege daher auch das wahrscheinlichste Szenario. Bleibt die "Bawag P.S.K." nicht rot-weiß-rot, sind ihre Tage als Hausbank der Republik Österreich freilich gezählt.

Aus Gründen der Staatsräson und im nationalen Interesse - wie in der Finanzbranche zu hören ist - würde der Bund (und mit ihm die Länder und Gemeinden) seine Konten abziehen und den Zahlungsverkehr neu vergeben. Immerhin umfasst der von der Größe her das gesamte Budget.

Die Sonderrolle als Hausbank der Republik ist der Bawag mit der Übernahme der staatlichen Postsparkasse P.S.K. im Jahr 2000 in den Schoß gefallen. Die P.S.K. hat sie damals als Mitgift in die Ehe eingebracht. Für rund 1600 Kunden der öffentlichen Hand (Behörden, Ministerien usw.) wird der Zahlungsverkehr gemanagt. Hier ist der Bawag (über die P.S.K.) ein exklusiver Status zugewiesen: Im Bundeshaushaltsgesetz (§ 71) wird festgehalten, dass die Postsparkasse nach Tunlichkeit den bargeldlosen Zahlungsverkehr für den Bund besorgen soll. Ihren Mitbewerbern gleichgestellt ist die "Bawag P.S.K." - beide Institute sind seit Herbst 2005 miteinander verschmolzen - nur in der Bundesfinanzierung und im Treasury.

Durch den exklusiven staatlichen Brocken ist die Bank größter Zahlungsverkehrsdienstleister in Österreich - mit fast einem Drittel Marktanteil. Auch wenn Teile ihres Sondergeschäfts durch Privatisierungen und Ausgliederungen aus dem Bundesbudget mittlerweile abgeflossen sind. So können etwa die Bundesforste, die Münze Österreich, Tochterfirmen der Asfinag, die Salinen oder auch die Universitäten ihren Zahlungsverkehr über Geldhäuser ihrer Wahl abwickeln lassen. Sie sind zwar nach wie vor Kunden der P.S.K., haben zusätzlich aber noch andere Bankverbindungen.

Wer von den österreichischen Banken den riesigen Happen schlucken darf, falls die Bawag tatsächlich "ausländisch" wird, bleibt abzuwarten. Nicht ausgeschlossen wird in der Bankbranche aber auch, dass der Bund den Zahlungsverkehr überhaupt neu vergeben könnte - egal, wer die Bawag letztlich kauft. Beim Verkauf der P.S.K. vor sechs Jahren gab es ähnliche Debatten.

Im Hintergrund wird auf das großvolumige Geschäft jedenfalls schon mächtig gespitzt. Hinter den Kulissen soll sogar bereits verhandelt werden. "Aufgrund der Masse ist da schon etwas zu verdienen", wird in Wiener Bankenkreisen betont. Warum das extra betont wird? Der Zahlungsverkehr gilt bei den österreichischen Banken generell als Achillesferse - als chronisch ertragsschwaches Geschäft.