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Bawag-Richterin steigt zur Justizministerin auf

Von Wolfgang Zaunbauer

Politik

Top-Juristin mit dem Hang zur Seitenblicke-Gesellschaft. | Wien. "Während Sie in den Seitenblicken abgetanzt haben, habe ich bis 68 gearbeitet." Dieser Spruch von Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner in Richtung der Richterin Claudia Bandion-Ortner ging als einer der wohl legendärsten Sprüche des Bawag-Prozesses in die Gerichts-Annalen ein. Doch er sagt sehr viel über die künftige Justizministerin aus.


Elsners Spruch bezog sich auf ein Seitenblicke-Interview mit der Richterin, in dem diese erklärte, nach einem anstrengenden Gerichtstag gerne mal abzutanzen, um sich zu entspannen. In dem ORF-Society-Format sah man die Juristin öfters. Sah, denn seit ihrer Hochzeit mit einem Kriminalbeamten im Jahr 2002 hat die Mutter eines fünfeinhalbjährigen Sohnes einen Gang zurückgeschaltet, was derartige Auftritte angeht. Trotzdem hat Bandion-Ortner einen gewissen Hang zur Bussibussi-Gesellschaft. Wer nun fürchtet, dass sich die ÖVP wieder eine Partynudel vom Kaliber einer Andrea Kdolsky an Bord geholt hat, kann beruhigt sein. Von der Exzentrik einer Kdolsky ist Bandion-Ortner - abgesehen von einem kleinen Brillen-Tick - weit entfernt.

Sie wirkt eher wie das Mädchen vom Lande, das fasziniert durch die große Stadt wandelt. Geboren in Graz, dann aber im salzburgischen Lungau aufgewachsen. Ihr Weg quasi familiär vorgezeichnet: Vater und Großvater waren beide Richter. Nach dem Studium in Graz ging die Juristin, die kommenden Sonntag ihren 42. Geburtstag feiert, ans Straflandesgericht nach Wien und landete hier in der Wirtschaftsabteilung.

Ihr erster großer Fall war 1999 der Konsum-Prozess gegen Hermann Gerharter. Acht Jahre später saß Gerharter wieder vor ihr - diesmal im Bawag-Prozess.

Diesen größten Strafprozess Österreichs führte Bandion-Ortner äußerst souverän. Zwar wurde ihr mitunter eine Verhandlungsführung "zwischen Barbara-Karlich-Show und einer Gerichts-Soap auf RTL 2" sowie "Mediengeilheit" vorgeworfen, tatsächlich war es aber gerade ihre humorvolle Art, die die lange Verfahrensdauer von 117 Tagen für alle Beteiligten erst erträglich machte.

Allerdings hat ihr Humor Grenzen. Für seinen Abtanzer-Spruch kassierte Elsner eine heftige Schelte. Auch beim Urteil war Bandion-Ortner nicht zimperlich und verteilte empfindliche Gefängnisstrafen. Das war im Juli. Bis heute arbeitet sie an der schriftlichen Ausfertigung der Urteile. Sie hofft, bis Anfang nächster Woche damit fertig zu sein. Elsners Anwalt Wolfgang Schubert rechnet mit einer weiteren Verzögerung. Überrascht über Bandion-Ornters Aufstieg ist er übrigens nicht. Das Gerücht kursierte in Juristenkreisen schon länger.

Als parteifreie Justizministerin wird sich Bandion-Ortner vor allem der Umsetzung der Justizreform und damit dem Kampf um mehr Personal widmen und sich somit mit ihrem Erfinder Josef Pröll, der als Finanzminister das Geld verteilt, anlegen müssen.