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Bawag will 700 Jobs streichen

Von Reinhard Göweil

Wirtschaft

Strategie wird geändert: Firmenkundenbereich und Eigenhandel werden radikal gekürzt.


Wien.

Vor fünf Jahren erwarb der US-Hedge Fonds Cerberus die Bawag/PSK vom ÖGB - nach riesigen Verlusten rund um Investments von Wolfgang Flöttl und dem Broker Refco. Nun steht die Bank erneut vor einer kompletten Neuausrichtung, der Insidern zufolge rund 700 Mitarbeiter zum Opfer fallen dürften. Das sind fast 20 Prozent der Belegschaft.

Im Kern geht es darum, dass die US-Finanzmanager von Cerberus in die Bawag nichts mehr investieren möchten (oder können). Das Firmenkundengeschäft wird mangels Profitabilität weitgehend geschlossen. Der Eigenhandel der Bank wird ebenfalls weitgehend aufgegeben. Das viel weniger personalintensive internationale Geschäft (syndizierte Großkredite an Konzerne) wird ausgebaut.

Postler als Banker

Auch der sogenannte Retail-Bereich, also das Geschäft mit den Privatkunden, soll gestärkt werden. Allerdings vor allem über die Postämter - immer mehr Postler übernehmen dort das Bankgeschäft der Bawag/PSK. Und die verdienen deutlich weniger als Bankangestellte. Zudem übernimmt die Bawag/PSK Postämter und bietet dort - unter anderem - Postdienstleistungen an.

In der Zentrale der Bank und etlichen Bawag-Filialen wird es also zu einem erheblichen Abbau von Mitarbeitern kommen. Eine Stellungnahme des Betriebsrates zur massiven Personalkostenreduktion gab es am Montag nicht. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag auch vom Unternehmen selbst keine Reaktion vor.

Rund um die Bawag/PSK gab es in den vergangenen Wochen etliche Spekulationen, etwa auch über ein neuerliches Ansuchen um staatliche Beihilfe. Dies erwies sich als falsch. Die Bawag/PSK hat 500 Millionen Euro vom Paket zur Bankenrettung erhalten und bedient diese Schuld bei der Republik.

Die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken ("Basel III") würden aber in kommender Zeit einen neuerlichen Kapitalzuschuss notwendig machen. Um den zu vermeiden, so ist aus Bankkreisen zu hören, will Cerberus aus vielen Geschäften aussteigen, die mit Kapital unterlegt werden müssen.

Linz als Bilanz-Risiko

Aus der wechselseitigen Klage zwischen Stadt Linz und Bawag gegen den von der Bank strukturierten Franken-Swaps droht ebenfalls Unbill. Es geht dabei mittlerweile um 400 Millionen Euro. Sollte das kommende (vermutlich überaus langwierige) Mediationsverfahren erfolgreich sein, gibt es einen Vergleich. Und jede Zahlung, die auf die Bank entfällt, müsste dort gegen das Eigenkapital gerechnet werden. Cerberus will, so ist aus der Bank zu hören, auch dafür kein frisches Geld in die Hand nehmen.

Dafür finden in nächster Zeit Umschichtungen bei der Eigentümerstruktur statt. Um von der Bawag zum Eigentümer Cerberus zu gelangen, müssen vier Zwischenholdings weggeräumt werden, die sich allesamt in Steueroasen befinden. Dies wird nun direkt gestaltet - ein rein technischer Vorgang, der Eigenmittel spart. Dem Vernehmen nach geht es allein bei dieser Übung um mehr als 200 Millionen Euro.

In heimischen Finanzkreisen wird bedauert, dass die jüngsten Gespräche zwischen Bawag und Volksbanken AG zur Bildung einer gemeinsamen Bank zu keinem Ergebnis geführt haben. Aber auch dabei galt für Cerberus, das vom diskreten US-Investor Stephen Feinberg kontrolliert wird: kein weiteres Geld für die Bawag. Das wäre dafür aber dringend notwendig gewesen.

"Amerikanische Banker, die ihre Rezepte über den österreichischen Markt stülpen wollen, tun sich halt hart, weil hier andere Gesetze gelten", sagt ein Mitbewerber. Ein Beispiel: Um Geld zu sparen, wird die Zahl der Filialen (derzeit 150 Bawag-Filialen), in denen Devisenwechsel möglich ist, auf 52 reduziert. Damit muss nicht jede Filiale mit Währungen beliefert werden, das spart Geld. "Ich muss Kunden, die auf Urlaub fahren, wegschicken", ärgert sich ein Bawag-Mitarbeiter.