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BBC auf der Suche nach ihrem Image

Von Bernhard Baumgartner

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Nur 55 Tage war George Entwistle Chef der BBC, danach tat er (sowie zwei seiner leitenden Journalisten) das Unvermeidliche und trat zurück. Das ist im Falle des BBC-Generaldirektors wohl nicht nur ein Negativrekord, sondern wirft auch ein interessantes Licht auf die Art und Weise, wie in anderen Ländern mit der Verantwortung umgegangen wird, die eine Spitzenposition im öffentlichen Rundfunk mit sich bringt. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich einzubunkern und darauf zu beharren, persönlich nichts falsch gemacht zu haben. Aber Entwistle entschied sich für einen Befreiungsschlag, für den ihm die BBC wohl noch dankbar sein wird.

Denn natürlich zahlt Entwistle die Rechnung für redaktionelle Machenschaften, mit denen er persönlich nichts zu tun hatte. Aber auch für die Art und Weise, wie die BBC mit dem Missbrauchs-Skandal eines seiner langjährigen Moderatoren umging, der jeden Tag neue, erschreckendere Dimensionen annimmt. Wobei die Frage, wer hier wen gedeckt hat und wer (vielleicht, um die Anstalt zu schützen) eine Aufklärung zu verhindern suchte, noch Gegenstand von Untersuchungen sein muss.

Tatsache ist, dass das die BBC in die größte Krise ihrer Geschichte geführt hat, die Entwistle zu bereinigen versucht, indem er sich opfert. Dass nun ausgerechnet die Murdoch-Zeitungen, die ja selbst seit dem Abhör-Skandal ein massives Glaubwürdigkeitsproblem haben, einen Angriff auf die BBC reiten, ist zwar verständlich, aber wenig elegant. Hier wäre eher betretenes Schweigen statt Häme und Gehässigkeit angebracht.