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Bedient die Kanäle!

Von Andreas Rauschal

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Wegen einer verlängerten Fußballpartie begann das kleine Fernsehspiel des ZDF dann doch erst nach Mitternacht: Man hätte den aufwendig produzierten und mit viel Trara schon vorab als neueste Sau durchs globale Dorf getriebenen Krimi auch mutiger programmieren können. Immerhin brüstet sich die alte Tante Fernsehen, mit einem Crossmedia-Projekt nun auch auf den Zug der Zeit aufgesprungen zu sein. Dieser bedeutet zwischen Twitterdings und Socialmediabums, dass das zu berieselnde Fernsehvolk heutzutage nur mehr einen Mausklick vom Dabeisein entfernt ist.


"Wer rettet Dina Foxx?" präsentierte die Geschichte einer inhaftierten Datenschutzaktivistin, die - so weit, so TV-Krimi - im Rahmen eines Anwaltsgespräches in Rückblenden erzählt wurde: Eine Frau und ihre Skepsis bekämpfen die Vergläserung der Menschheit. Die Frau wird zu mächtig, in ein Komplott verwickelt und des Mordes an ihrem Freund bezichtigt.

Die Geschichte verband unterhaltende Elemente mit dem ernsthaften Bestreben, Überwachung und Datenspeicherung kritisch zu beleuchten, und kokettierte auf der Storyebene schließlich auch mit einer Frage: Ist das noch berechtigter Zweifel oder doch bereits Paranoia? Die Handlung riss auf dem Höhepunkt ab, der Film endete mit einem Verweis auf die bereits vor Wochen als quasi-reales Infoportal (und ohne Hinweis auf die ZDF-Unternehmung) gestartete Homepage www.freidaten.org. Dort ist das Publikum nun gefordert, den Fall aufzuklären. Bedient die Kanäle! Hinterlasst Spuren! Crossmedia hat für die TV-Anstalt schließlich den Vorteil, hinter dem anonymen Fernseher von einst endlich einen klar definierten User zu sehen.