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Begräbnisfeier bei A-Tec

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Angeblich gibt es weitere Gespräche mit Investor Penta. | Am Freitag schlägt Stunde der Wahrheit.


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Wien. Die Veranstaltung hatte das Flair einer Begräbnisfeier. Am Mittwochvormittag hatte die angeschlagene A-Tec Industries um Mirko Kovats ihre Aktionäre zur außerordentlichen Hauptversammlung (HV) ins Hotel Rainers in der Wiener Gudrunstraße geladen, nur einen Steinwurf vom evangelischen Friedhof entfernt. Fünf Dutzend Trauergäste des Pleite-Konzerns fanden sich in dem schmucklosen Hotel-Saal ein; die Zahl der Aktionäre hielt sich mit der der Anwälte etwa die Waage.

Schon zu Beginn geriet die Veranstaltung zu einer Farce. Statt die Versammlung mangels Abstimmungsinhalt abzusagen, zog A-Tec-Boss Kovats in einer Art Prolog die angekündigte Tagesordnung, den Beschlussvorschlag zum Verkauf von drei Konzernteilen, zurück. Solstice, einer der drei potenziellen Käufer, war zuvor von seinem verbindlichen Angebot zurückgetreten - anscheinend aus finanziellen Überlegungen (die "Wiener Zeitung" berichtete). Indes erklärte Kovats dem Publikum, Solstice sei wegen der Unterlassungsklage des unterlegenen Mitbieters Penta abgesprungen. Danach habe A-Tec aber mit Penta zu verhandeln begonnen.

"Nichts drinnen in Hülle"

Nach dieser Einführung von Kovats eröffnete Aufsichtsratschef Freimut Dobretsberger die HV als Art "Informationsveranstaltung". Denn eine neue Hauptversammlung muss abgehalten werden, sollte der Deal mit Penta doch noch klappen.

A-Tec-Sanierungsanwalt Norbert Abel erklärte den Aktionären, dass sie am Ende des Verwertungsverfahrens keinen Cent sehen werden; dieses wird eingeleitet, falls am Freitag die nötigen 201 Millionen Euro Gläubigerquote nicht auf dem Konto des Treuhänders liegen. Abel: "Sie haben eine Beteiligung, aber es ist nichts mehr drinnen in der Hülle." Tritt der schlimmste Fall bei A-Tec ein, dann wird Treuhänder Mathias Schmidt ab 3. Oktober den A-Tec-Konzern liquidieren.

"Schwachsinnige Frage"

Indes bekräftigte Kovats auf Nachfragen, dass "mit Penta weiter verhandelt wird". Es würden die letzten "48 Stunden ausgenutzt, um ein Ergebnis zu erzielen". Kovats bemühte sich um Contenance, doch die zum Teil wirren und zwecklosen Fragen einzelner Kleinaktionäre ließen den A-Tec-Boss aus der Haut fahren. Ein selbsternannter Bilanzversteher fragte Kovats, warum 600 Millionen Euro Eigenkapital aus der Bilanz der insolventen Tochter AE&E verschwunden sind. Kovats erbost: "Die Frage ist ein derartiger Schwachsinn."

Dobretsberger schloss die HV mit dem Hinweis, dass "wesentliche Klarstellungen erfolgt sind und ein kleines Buffet angerichtet ist". Zurück blieben völlig ratlose Kleinaktionäre. Die A-Tec-Führung hat schnell und leise das Weite gesucht.