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Bei Anruf: Beratung und Hilfe

Von Brigitte Suchan

Wissen

Seit 34 Jahren bietet der Notrufdienst-Telefonseelsorge rund um die Uhr Menschen in den verschiedensten Krisen und Lebenssituationen die Möglichkeit eines anonymen und vertraulichen Gesprächs. Im Jahr 2001 haben 150 ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Wiener Telefonseelsorge insgesamt 31.112 Gespräche geführt. Seit November 2001 kann man sich auch per E-Mail an die Telefonseelsorge wenden.


Das Internet bietet noch mehr Anonymität als das Telefon und ermöglicht so auch Menschen, die nicht zum Telefonhörer greifen wollen, die Kontaktaufnahme. Ein weiterer Grund für den Einstieg ins Internet war für die Mitarbeiter der Telefonseelsorge auch, den unseriösen Angeboten im Web - wie etwa Suizidforen oder Todeschats - eine seriöse Einrichtung, wie es die Telefonseelsorge zweifellos ist, entgegenzustellen. Die Mails gelangen über die Internet-Adresse http://www.telefonseelsorge.at/wien an einen zentralen Computer in der Einrichtung. Von dort werden sie auf derzeit acht MitarbeiterInnen zur Beantwortung verteilt.

Thematisiert wurden in den über 100 Mails, die in den ersten Monaten eingelangt sind, laut Jahresbericht der Wiener Telefonseelsorge vor allem Beziehungsprobleme und Identitätskrisen, Gedanken zur Selbst- und Sinnfindung und Suizidgedanken. Themen, wie sie auch in den Telefongesprächen immer wieder zur Sprache kommen. Auffallend fanden die Telefonseelsorger die Offenheit, mit der die Ratsuchenden ihre Probleme per E-Mail zur Sprache brachten.

Notrufeinrichtung in Krisensituationen

Die Telefonseelsorge versteht sich als Notrufeinrichtung, die in psychischen Krisensituationen rasch und leicht erreichbar ist. Ein Anruf, ein Gespräch kann eine erste Hilfe sein, Erleichterung verschaffen. Danach kann gemeinsam überlegt werden, wie es weitergehen soll. 40 Prozent der Anrufe kommen von Menschen, die regelmäßig bei der Telefonseelsorge anrufen, weil sie krank sind oder sonst wenig andere Kontakte haben. Naturgemäß rufen zu den Weihnachtsfeiertagen besonders viele Menschen an, gerade an diesen Tagen werden Einsamkeit und Konfliktsituationen besonders stark empfunden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge erfüllen ihre Aufgabe ehrenamtlich und mit großem Engagement. Es handelt sich um Menschen aus unterschiedlichen Konfessionen und Berufen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten, die ihrerseits großen Wert auf Anonymität legen.

Die Ausbildung dauert ein Jahr. Die Ausbildungsgruppe trifft sich vierzehntägig und an insgesamt drei Wochenenden. Inhalte sind: Selbsterfahrung, Kennenlernen der personenzentrierten Gesprächsführung, fachliche Information, Einführung in die Arbeit am Telefon.

Zu den Grundsätzen der Telefonseelsorge gehört an erster Stelle die Anonymität. Wer anruft braucht seinen Namen nicht zu nennen. Der Gesprächspartner bei der Telefonseelsorge erfährt vom Anrufer nur das, was er ausdrücklich erzählen möchte. Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge unterstehen der Schweigepflicht. Niemand außerhalb der Telefonseelsorge erfährt, wer angerufen hat oder worüber gesprochen wurde.

Es darf weder auf AnruferInnen noch auf MitarbeiterInnen religiöser, ideologischer, politischer oder kultureller Druck ausgeübt werden. Ziel aller Bemühungen ist die Hilfe zur Selbsthilfe.

Seit 1953 Hilfe per Telefon

1953 wird der erste "Notruf für Suizidgefährdete" in London gegründet. Von England aus breitet sich die Idee rasch über ganz Europa aus. Man findet sie unter verschiedenen Bezeichnungen, z.B. als "telèfono de la esperanza" in Spanien oder als "Die dargebotene Hand" in der Schweiz.

Mittlerweile gibt es weltweit Notrufdienste, die in verschiedenen Organisationen zusammengeschlossen sind. Die Telefonseelsorge in Österreich gehört zu IFOTES (International Federation of Telefonic Emergency Services).

Seit 1967 gibt es die Telefonseelsorge in Wien. Seit Beginn wird sie gemeinsam von der evangelischen und katholischen Kirche getragen. Die Anruferzahlen sind kontinuierlich gestiegen (von 5000 im Jahr 1971 auf über 33.000 im Jahr 2000).

Derzeit teilen sich 150 ehrenamtliche MitarbeiterInnen den Dienst rund um die Uhr. Jeweils zwei Telefone sind Tag und Nacht besetzt. Seit 2001 bieten wir auch Internetberatung angeboten.

Der Notrufdienst ist Tag und Nacht, auch an Wochenenden oder Feiertagen mit zwei MitarbeiterInnen besetzt. Die Notrufnummer 142 ist kostenfrei - allerdings erst seit 1998. Telefonseelsorge im Internet unter: http://www.telefonseelsorge.at/wien