Zum Hauptinhalt springen

Bei der Bahn droht Verspätungs-Chaos

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Bereits seit Freitag weigern sich Lokführer der ÖBB, Überstunden zu leisten. Gestern fielen deshalb rund 80 Schnellbahnzüge in Wien und Umgebung aus. Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und ÖBB-Spitze blieben ergebnislos. Eisenbahnergewerkschaft-Chef Wilhelm Haberzettl kündigt weitere Proteste an und rechnet mit vermehrten Zugausfällen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Eisenbahner haben das Einlenken seitens des ÖBB-Vorstandes im Lokführerstreit erwartet. Es kam aber anders. Der Vorstandes legte ein Strukturpaket vor, welches Personalabbau und die Ausgliederung der Werkstätten, des Bereichs Planung & Engineering sowie der Kraftwerke vorsieht.

Die Gewerkschaft hat daraufhin den Verhandlungstisch vorzeitig verlassen und kündigt für die kommenden Tage weitere Proteste an. Ab Mittwoch wird auch in den Werkstätten nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht. Ab Donnerstag soll der Überstunden-Boykott auf das gesamte Personal im Personen- und Güterverkehr übergreifen: Schalterpersonal und die Zugschaffner werden sich nur noch strikt an den Dienstplan halten.

Haberzettl rechnet deshalb mit weiteren Zugausfällen: Diese könnten sich in den nächsten Tagen auch auf den Fernverkehr ausweiten, denn ohne Zugbegleiter können Züge nicht fahren. Am Montag kam es zum Ausfall von 80 Schnellbahnzügen allein in Wien und Umgebung. Die Gewerkschaft fordert die Aufnahme sowie Ausbildung von neuen Lokführern. Derzeit gebe es bei den ÖBB um 1.200 Lokführer zu wenig. Die Arbeit müsse daher von überforderten Mitarbeitern geleistet werden, allein in diesem Bereich hätten sich 1,05 Millionen Überstunden angesammelt. Mancher Lokführer habe seit Monaten keinen freien Tag gehabt. Mit den Lokführer-Protesten will die Belegschaft auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam machen.

Generelle Streiks schließt Haberzettl aus. Da das Unternehmen aber auf Überstunden angewiesen sei, würde der Betrieb schon durch bloßen "Dienst nach Vorschrift" zusammenbrechen.