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Bei der Textilkette Don Gil beginnt der Schlussverkauf

Von Claudia Peintner und Kid Möchel

Wirtschaft
Für luxuriöse Mode gibt es in der Touristenstadt Wien laut Experten genug Kunden.

Die Mietrechte der Filialen und die Marke Don Gil sollen verkauft werden.


Wien. Bei der insolventen Textilkette Don Gil läuft der letzte Abverkauf an. Die wenigen Vermögenswerte der Tochterfirma der italienischen Marielle Burani Fashion Group (MBFG) werden verwertet.

"Wir versuchen, dass uns die Banken drei bis vier Wochen finanzieren, damit wir bestmöglich verwerten können", sagt Ulla Reisch, Wiener Sanierungsanwältin und Rechtsberaterin der Don Gil Textilhandels GmbH. "In Wahrheit geht es um die Standorte und die Bestandrechte sowie um die Marke, dafür gibt es ein paar Interessenten." Nachsatz: "Wenn wir schließen müssen, sind die Bestandrechte weg und wir bekommen nichts von einem Investor, denn wer kauft die paar Fetzen, die noch da sind." Bei einer sofortigen Schließung würden auch die Mitarbeiter dem Unternehmen den Rücken kehren, doch der Insolvenzverwalter braucht einen Teil der 309 Mitarbeiter, um Don Gil abwickeln zu können.

35 Millionen Euro Schulden

"Wenn ich an die Gläubigerquote denke, kommen mir die Tränen", sagt AKV-Insolvenzexperte Wolfgang Hrobar. Denn die Schulden von Don Gil beziffert Anwältin Reisch mit 28 Millionen Euro; durch Eventual-Verbindlichkeiten, also durch Forderungen, die durch die Liquidation schlagend werden, könnten insgesamt 35 Millionen Euro Schulden zu Buche stehen.

Rund 13 bis 14 Millionen Euro sind bei der Bank Austria, der Erste Bank, der Bawag und der Bank für Kärnten und Steiermark offen. Weitere 9,26 Millionen Euro entfallen auf die Lieferanten. Dazu zählen die Hugo Boss AG mit fast 1,83 Millionen Euro und Diesel Austria mit 193.000 Euro. Hohe Außenstände hat Don Gil bei italienischen Lieferanten und Vermietern wie dem Kaufhaus Steffl.

Das Modeunternehmen war seit 1971 mit hochpreisiger Designermode am österreichischen Markt vertreten. Zuletzt gab es noch 27 Filialen in Österreich. Der Niedergang von Don Gil hänge laut branchenverwandten Geschäftsleuten nicht mit einer Übersättigung am luxuriösen Bekleidungsmarkt zusammen.

Run auf die Innenstadt

Wien sei als Touristenstadt gefragt und davon würde auch der Modebereich profitieren, heißt es. Viel eher sei "das in Österreich durchaus erfolgreiche Label" mit dem italienischen Mutterkonzern untergegangen: "Die Italiener waren der Mühlstein", sagt ein Textilexperte zur "Wiener Zeitung".

Das Filetstück des Unternehmens sind die attraktiven Standorte - unter anderem am Wiener Graben oder in der Kärntner Straße. Laut Branchenexperten könnten diese bald ins Interesse von "bekannten Innenstadt-Lokaljägern" rücken. Namen, die genannt werden: der Einzelhandels- und Immobilien-Unternehmer Jamal Al-Wazzan, der schon die Modekette Schöps übernommen hat, und der indischstämmige Kaufmann Rakesh Sardana, dem unter anderem die Souvenirläden namens Mostly Mozart gehören.

Auch internationale Marken, die länger schon auf Wien spitzen, könnten nun fündig werden. Durchaus vorstellbar ist für Branchenvertreter aber auch, dass die Marke Don Gil weitergeführt wird: Der Markenname sei schließlich bestens eingeführt, es gebe "gehobene Wiener Bekleidungsunternehmen", die Interesse zeigen könnten.