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Bei Forstinger soll es runder laufen

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft
Forstinger verfügt über 122 Filialen in Österreich und 5 in der Slowakei. Foto: Forstinger

Neuer Eigentümer Alcar verspricht langfristige Strategie. | Rasche Expansion in der Slowakei, kein Mitarbeiterabbau. | Wien. Die Autozubehörkette Forstinger hat abermals einen neuen Eigentümer: Die international tätige Alcar-Gruppe, deren Firmenzentrale in Hirtenberg südlich von Wien liegt, übernimmt den Händler zur Gänze. Die Transaktion bedarf noch der konkursgerichtlichen und kartellrechtlichen Genehmigung.


Der neue Besitzer sieht in der bekannten Handelskette Potenzial: "Die Marke Forstinger ist in Österreich sehr stark präsent, im Osten noch mehr als im Westen", sagt Alcar-Chef (und ÖIAG-Aufsichtsrat) Alexander Riklin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Daraus ergäben sich Expansionsmöglichkeiten - mehr noch als in Österreich, wo es 122 Filialen gibt, allerdings in der Slowakei. "Dort hat Forstinger 2005 recht engagiert begonnen, ist dann aber bei fünf Filialen hängen geblieben." Hier werde "relativ kurzfristig" eine Verdoppelung angestrebt, um die Kostenstrukturen zu verbessern und landesweites Marketing zu ermöglichen.

Alcar verspricht ein langfristiges Investment: Man wolle bei Forstinger zu einer Eigenkapitalquote von 15 bis 20 Prozent beitragen, sagt Riklin. Es sei kein Abbau bei den rund 1000 Mitarbeitern (umgelegt auf volle Arbeitszeit) geplant und auch das Management rund um die Geschäftsführer Walter Karger und Gerhard Lorber solle weitermachen.

Kontinuität wird auch beim Sortiment angestrebt: Man glaube an die Ausrichtung von Forstinger - es sei nicht das Ziel von Alcar, sich einen Absatzkanal zu verschaffen: "Wir werden nicht speziell den Räderbereich forcieren", stellt Riklin klar. Alcar, Hersteller von Stahl- und Leichtmetallrädern, hat nach eigenen Angaben 800 Mitarbeiter in 13 Ländern und erzielte zuletzt einen Umsatz von 251 Mio. Euro. "Wir sind froh, dass wir einen soliden Eigentümer mit langfristigem Interesse erhalten", sagt Forstinger-Geschäftsführer Gerhard Lorber.

Eine turbulente Dekade

Das 1962 von Norbert Forstinger in Wien gegründete Unternehmen hat eine turbulente Dekade hinter sich: 2001 schlitterte es in die Insolvenz. Daraufhin stiegen zwei Private-Equity-Fonds ein - Orlando Management und die Value Management Services (VMS) des Wiener Sanierers Erhard Grossnigg.

Das durch den Ausgleich entschuldete Unternehmen wurde dann Anfang 2005 an den Finanzinvestor Bridgepoint Capital Limited verkauft - und musste, wie häufig bei Private-Equity-Deals, die Bank-Kredite für den Kauf selbst bedienen. So sollen von 2005 bis 2008 rund 36 Mio. Euro abgezogen worden sein. Einige schwächere Geschäftsjahre brachten den Geldfluss ins Stocken. Damit war das Schicksal der Mutterholding, der FHS Beteiligungsverwaltungs GmbH, besiegelt: Diese wurde im April 2009 mit Passiva in Höhe von 43 Mio. Euro insolvent. Aus dem Bieterverfahren des Masseverwalters ging nun Alcar als Sieger hervor.

Der Ausblick für das operative Forstinger-Geschäft ist indes positiv: "Wir liegen im laufenden Geschäftsjahr etwa auf Vorjahresniveau und über unserem Forecast", sagt Lorber. Alcar und Forstinger seien im Ersatzteilmarkt tätig und nicht eins-zu-eins von der Automobilkrise betroffen.

"Wir haben bewusst darauf verzichtet, in die Erstausrüstung einzusteigen: Wir lieben es, tausende Kunden zu haben und nicht nur einige wenige", sagt Alcar-Chef Alexander Riklin. Gerhard Lorber sieht sogar antizyklische Effekte: "Forstinger profitiert davon, wenn bestehende Fahrzeuge länger gefahren werden."