Zum Hauptinhalt springen

Bei "Gemeinsam statt Einsam" wackeln 272 Jobs

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Zehn Gesundheits- und Pflegeheimzentren werden betrieben – 9,38 Millionen Euro Schulden.


Graz/Pirka. Die Senioren und Pflegeheimbranche in der Steiermark steht unter keinem guten Stern. Nach der Großpleite der Humanitas Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH musste nun auch die "Gemeinsam statt Einsam GmbH" mit Sitz in Pirka einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung stellen. Das bestätigen Markus Graf vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) und René Jonke vom KSV1870. 272 Arbeitsplätze sind von der Insolvenz betroffen.

Die Passiva betragen laut KSV1870 rund 9,38 Millionen Euro, davon entfallen 5,5 Millionen Euro auf Banken, 1,8 Millionen Euro auf Lieferanten, 1,7 Millionen Euro auf mehrere Gebietskrankenkassen, 510.000 Euro auf Finanz und Gemeinden.

Die Aktiva werden laut AKV mit 2,671 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,594 Millionen Euro auf das Anlagevermögen (Betten EDV, Betriebsausstattung), 900.000 Euro auf offene Forderungen und 167.000 Euro beträgt das Bankguthaben.

370 Betten
"Die Unternehmenspolitik der Gründungsgesellschafter - Andres Grauf und Ontario Bauträger- und Beteiligungs GmbH - war der Kauf beziehungsweise die Errichtung vom Immobilien durch die "Menschen im Mittelpunkt Projektentwicklungs GmbH", der Betrieb erfolgte durch die Gemeinsam statt Einsam GmbH", weiß AKV-Insolvenzexperte Markus Graf. "Die Ursachen der Insolvenz werden auf eine zu starke Expansion mit Anfangsverlusten und auf Probleme auf Gesellschafterebene zurückgeführt." Im Insolvenzantrag heißt es dazu: "Die Auslastung der Heime blieb in der Anfangsphase deutlich hinter den Erwartungen und Planrechnungen zurück." Das habe "Liquiditätsprobleme verursacht und zum Verlust eines Förderdarlehens des Landes Kärnten in Höhe von 2,35 Millionen Euro geführt".

Mittlerweile hat Gemeinsam statt Einsam eine neuen Mehrheitsgesellschafter und einen Sanierungsgeschäftsführer. Den Gläubigern werden 20 Prozent Quote geboten. "Die notwendige Liquidität für die Fortführung des Unternehmens wird durch die Verträge mit dem Land Steiermark für die derzeitigen Heimbewohner – Auslastung von mehr als 85 Prozent – sowie den zu erwartenden Neuzugängen, die Nachfrage nach Pflegeplätzen boomt sehr stark abgesichert", heißt es im Insolvenzantrag weiter. Bis Dezember 2012 will die Gesellschaft 450.000 Euro Überschuss erzielen.

Die Standorte
Gemeinsam statt Einsam betreibt zehn Gesundheits- und Pflegezentren für ältere Menschen in der Steiermark, in Kärnten, in Niederösterreich und im Burgenland: in St. Anna am Aigen, St. Georgen ob Judenburg, Frauental an der Lassnitz, in Knittelfeld und in Heimschuh, in St. Oswald bei Plankenwarth in Marienheim/Unterlamm, in Grafendorf, Maria Lanzendorf und in Mönchhof.