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Bei Privatisierung der Post drängt die Zeit

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

"Es ist nicht meine Aufgabe zu erklären, welche Rücklagen die ÖIAG auflösen soll." Finanzminister Karl-Heinz Grasser will von der Industrieholding Geld sehen, wo es jedoch herkommt, soll der Vorstand entscheiden. Grasser verlange jetzt die Sonderdividende von 300 Mill. Euro, auf die er vergangenes Jahr verzichtet habe.


Auch die ÖIAG-Vorstandsmitglieder Peter Michaelis und Rainer Wieltsch können noch keine Auskunft geben, woher sie den Obolus nehmen. Bei der Hauptversammlung im Juni werde darüber Rechenschaft abgelegt, betonten beide am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Bis Juni werde auch ein Unternehmskonzept vorliegen, das die Privatisierungsschritte für die ÖIAG-Unternehmen - Post, Telekom Austria, voestalpine, VA Technologie, Österreichische Bergbauholding und Böhler Uddeholm - darstellt.

Bei der Post bestehe Handlungsbedarf. "Hier drängt die Zeit," erklärte Michaelis. Es gebe außer der Deutschen Post noch andere Interessenten: Französische, holländische und schwedische Post wollten sich ebenfalls an der heimischen Post beteiligen.

Noch in diesem Jahr soll entschieden werden, welcher strategische Partner in Frage kommt, danach käme es zur Ausschreibung. Auch die "stand alone"-Variante wollen Michaelis und Wieltsch zwar nicht ausschließen, sie schienen aber die Partnerwahl zu bevorzugen. Denn laut Michaelis stünden ohne Personalabbau und Umstrukturierungen bei der Post Verluste ins Haus.

Für die Telekom gebe es einen strategischen Investor, weitere Börsegänge stünden allerdings auch auf dem Prüfstand. Dabei zeigt Michaelis Skepsis gegenüber weiteren Anteilsverkäufen an der Wiener Börse: "Der Kapitalmarkt ist sehr klein. Wir müssen aufpassen, dass nicht höherwertige Wirtschaftsinteressen durch zuviel Rücksicht auf den Kapitalmarkt zu Schaden kommen." Finanzminister und Vorstand sind in der Zwickmühle: Grasser will zwar den heimischen Kapitalmarkt beleben, doch gleichzeitig müssen die Unternehmen den bestmöglichen Preis erzielen.

Für die voestalpine wird bis zum Ende der Legislaturperiode eine Exitstrategie entwickelt. "Im nächsten Jahr besteht kein Handlungsbedarf", so Wietsch. Ob der Autozulieferer Magna als Käufer in Frage kommt, ließ der ÖIAG-Vorstand offen.

Die VA Tech mache größere Probleme. Vor allem mit der Wassertechnik ist Michaelis unzufrieden. Er erwägt, diesen Bereich vor einer weiteren Privatisierung abzustoßen, um den Unternehmenswert zu steigern. Hier legt sich der Vorstand eindeutig zugunsten eines strategischen Partners fest. Ein Börsegang sei nachrangig.