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Bei Stöhr Gruppe "Unrichtigkeiten in der Buchhaltung"

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Überprüfungen ergaben Fehlentscheidungen und Unregelmäßigkeiten - die Pleiten im Detail.


Wiener Neustadt. Die Insolvenz der niederösterreichischen Elektrohandelsgruppe Stöhr (141 Mitarbeiter, 8,9 Millionen Euro Schulden) birgt Sprengstoff. Denn in allen sieben Insolvenzanträgen wird die " Ursache des Vermögensverfalles" so beschrieben:

Ing. Manfred Mitterhuber hat sich altersbedingt vor einigen Jahren aus der Geschäftsführung der Gesellschaften zurückgezogen und befindet sich in Pension. Die Geschäftsführung in der Stöhr Holding und sämtlichen Tochtergesellschaften hat der langjährige Mitarbeiter Robert Thoma im Jahr 2004 übernommen. Bis dahin habe sich die gesamte Unternehmensgruppe postiv entwickelt und war profitabel. Thoma ist am 20. April bei einem Verkehrsunfall verstorben.

Fehlentscheidungen und Unregelmäßigkeiten
"Noch kurze Zeit vorher hat er (Thoma) berichtet, dass auch weiterhin in der ganzen Gruppe Gewinne erzielt wurden und die positiv wirtschaftet", heißt es in den Insolvenzanträgen. "Nunmehr mussten jedoch bei Überprüfung der Buchhaltungsunterlagen und bei einer Inventur Ende Juni 2012 Unrichtigkeiten festgestellt werden. So wurden in der Buchhatung wesentlich überhöhte Warenbestände geführt und es musste festgestellt werden, dass es unter dem früheren Geschäftsführer zu Fehlentscheidungen und Unregelmäßigkeiten gekommen ist, und dass zu hohe Investitionen vor genommen wurden."

Nachsatz: "Unserer früherer Geschäftsführer hat noch im letzten Quartal 2011 veranlasst, dass das Elektrounternehmen Ing. Gstöttner GmbH gekauft wurde, obwohl Gstöttner nicht zur Unternehmensgruppe Stöhr passt und der Kaufpreis und die laufenden Kosten, u.a. Mieten, für unsere Unternehmen viel zu hoch sind."

Unübersichtliche Verrechnung
Zugleich sollen vom Ex-Geschäftsführer zahlreiche Geschäfte zwischen den Gesellschaften der Stöhr-Gruppe (Wareneinkäufe,Darlehen) durchgeführt und Guthaben einzelner Gesellschaften für andere Gesellschaften genutzt worden sein, "sodass es zu sehr unübersichtlichen Verrechnungsforderungen und einem nur schwer nachvollziehbaren Rechnungswesen gekommen ist". Das führte schließlich laut Insolvenzantrag zur Überschuldung.

Die Details der sieben Pleiten
Die Lage der sieben insolventen Gesellschaften der Stöhr-Gruppe, über die laut KSV1870 und Creditreform am Mittwoch die Verfahren eröffnet wurden, schaut wie folgt aus:

1) Konkursverfahren Stöhr Holding GmbH, Wr. Neustadt. Das Unternehmen soll nicht fortgeführt werden. Passiva 1,161 Millionen Euro, Aktiva 11.000 Euro; Hauptgläubiger ist die Wiener Neustädter Sparkasse mit 308.000 Euro, rund 700.000 Euro entfallen auf verbundene Unternehmen.

2) Sanierungsverfahren Service-Center Stöhr GmbH, Eisenstadt.  Sechs Mitarbeiter sindbetroffen; Schulden 597.000 Euro, Aktiva 285.000 Euro; Gläubiger sind u.a. die Hypo Bank Burgenland mit 114.000 Euro und die Wiener Neustädter Sparkasse mit 33.000 Euro.

3) Sanierungsverfahren STÖHR GmbH, Neunkirchen.11 Mitarbeiter, Passiva 986.000 Euro, Aktiva 269.000 Euro; bei der Sparkasse Neunkirchen sind 75.000 offen.

4) Sanierungsverfahren Elektrounternehmen Ing. Gstöttner GmbH, Steyr. 13 Mitarbeiter, Schulden 527.900 Euro, Aktiva 498.000 Euro; Gläubiger sind u.a. die VBK mit 204.000 Euro, die Volksbank NÖ Süd mit 90.000 Euro und die Raiffeisenbank Region Sierning mit 57.000 Euro.

5) Sanierungsverfahren Stöhr electronic service GmbH, Wr. Neustadt.79 Mitarbeiter, Passiva 4,109 Millionen Euro, Aktiva 2,79 Millionen Euro; Hauptgläubiger sind die Wiener Neustädter Sparkasse mit 929.000 Euro, die Raiffeisenregionalbank Wiener Neustadt mit 353.000 Euro und die Lieferanten mit 1,59 Millionen Euro.

6) Sanierungsverfahren Repairfit electronic service GmbH, Wr. Neustadt. 11 Mitarbeiter, Passiva 283.000 Euro, Aktiva 148.900 Euro; bei Lieferanten sind 213.000 Euro offen und bei der Sparkasse Neunkirchen 48.000 Euro.

7) Sanierungsverfahren Josef Kriegsauer GmbH, Hartberg. 25 Mitarbeiter, Passiva 1,161 Millionen Euro. Aktiva 757.000 Euro; zu den Gläubigern zählen Lieferanten mit 689.000 Euro und bei der Raiffeisenbank Thermenland, der Steiermärkischen Sparkasse und der Volksbank Süd-Ostersteiermark sind insgesamt 87.000 Euro offen.

In allen sechs Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung wird den Gläubigern 20 Prozent Quote geboten.

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