Zum Hauptinhalt springen

Bei Zahlungsstreitigkeiten: Mediation statt vors Gericht

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

In der Mediation erarbeiten Firmen selbst Lösung ihres Zahlungsstreits. | Vorteile: Schneller und billiger als ein Gerichtsverfahren. | Wien. Ausufernde Kosten beim Skylink und nicht abgegoltene Mängel bei Bauprojekten - einigen sich Firmen bei Zahlungsstreitigkeiten nicht außergerichtlich, so klagen Gläubiger ihre Forderungen meist gerichtlich ein. Der Gang vors Gericht kommt aber teuer und kann sich über lange Zeit hinziehen. Und in einem Prozess ist nicht absehbar, ob der Schuldner zur Kasse gebeten wird.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Das Klagsrisiko bei bestrittenen Forderungen wird immer größer", sagt Gerald Waffek, Prokurist der Creditreform und Pressesprecher des Inkassoverbandes Österreich. "Mehr als 50 Prozent der Inkassofälle, die vor Gericht landen, enden für den Gläubiger erfolglos." Nach einem Gerichtsprozess könne die Firma den Schuldner als Kunden abschreiben, sagt Marianus Mautner vom Österreichischer Bundesverband für Mediation: "Der Gang zum Gericht gleicht einer Kriegserklärung." Besonders in der Bau- und in der Transportbranche kommen Zahlungsstreitigkeiten laut Creditreform häufig vor.

Als Alternative zur Klage bietet sich die Mediation an, bei der die Geschäftspartner gemeinsam eine Streitlösung erarbeiten, die rechtlich bindend ist. "Bei einer Mediation ist das Ziel, den Schuldner weiter als Geschäftspartner zu behalten", sagt Mautner.

Intakte Gesprächsbasis muss vorhanden sein

Mediation eigne sich jedoch nur für einen kleinen Teil der Inkassofälle, betont Waffek. Während Inkassobüros unbestrittene Forderungen - die laut Waffek rund 95 Prozent der Inkassofälle in Österreich ausmachen - mit Mahnungen und Telefonaten eintreiben, sind ihnen bei bestrittenen Forderungen der Gewerbeordnung zufolge die Hände gebunden. Hier kommen Mediatoren als Alternative zum Gericht ins Spiel.

Für eine Mediation müsse eine Zahlungsstreitigkeit bestimmte Voraussetzungen erfüllen, präzisiert Philipp Michalitsch von Mira Mediation, dem Partner des Gläubigerschutzverbandes Creditreform: "Der Schuldner darf nicht zahlungsunfähig sein, und es sollte kein großes Machtungleichgewicht herrschen - wie etwa zwischen einem kleinen Lieferanten und einem Großkonzern."

Auch der KSV 1870 vermittelt Kunden, bei denen die außergerichtliche Eintreibung erfolglos war, an einen Mediator. "Neben einer guten Bonität des Schuldners muss die Forderung über 4000 Euro liegen", erklärt Johannes Eibl, Geschäftsführer vom KSV Forderungsmanagement. "Außerdem muss eine Gesprächsbasis zwischen den Geschäftspartnern vorhanden sein", so Waffek.

Nach dieser Prüfung arbeitet sich der Mediator in den Fall ein. "Der Mediator macht sich ein Bild, aber keine Meinung vom Streit", so Michalitsch. Denn der Mediator ist ein neutraler Vermittler, der ein strukturiertes Gespräch leitet.

Er ist beiden Parteien gleichermaßen verpflichtet - sie zahlen auch meist zu gleichen Teilen das Honorar für den Mediator. Anschließend wird in rund fünf bis sechs Sitzungen mit Vertretern beider Parteien eine gemeinsame Lösung erarbeitet.

Mediation in Österreich noch nicht verbreitet

Durch die Prüfung, ob sich ein Fall für Mediation eignet, hat Mira Mediation laut eigenen Angaben eine Erfolgsquote von 90 Prozent. Der Gläubiger müsse trotz Mediation jedoch nicht immer nachgeben, so Michalitsch.

Während ein Gerichtsverfahren bei bestrittenen Forderungen rund 15 Monate dauert, sind es bei einer Mediation laut Mira Mediation nur sechs Wochen. "Weil beide Parteien mit der Lösung bei der Mediation einverstanden sein müssen, sind sie auch zufriedener als nach einem Gerichtsverfahren", meint Mautner. Auch der Wille, die vereinbarte Zahlung einzuhalten, sei größer als nach einem Gerichtsurteil, so Waffek.

In Anspruch nehmen Mediation aber noch nicht viele Firmen, sagt Waffek. Denn meistens sei keine Gesprächsbereitschaft mehr vorhanden. Mira Mediation bearbeitet mit drei Mediatoren rund 50 Fälle pro Jahr. "Beim KSV kommt alle zwei Monate eine Mediation zustande", so Eibl. Im Gegensatz zu den USA, wo sich Mediation bereits durchgesetzt habe, müsse in Österreich das Bewusstsein für Mediation erst geschaffen werden, so Mautner.