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Beim Firmenwert zählen nur Zahlen statt Köpfe

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Hinter dem Geschäftserfolg stecken das Wissen und Netzwerk der Mitarbeiter.Foto: corbis

Mitarbeiterwissen ist für den Kaufpreis eines Unternehmens nicht maßgeblich. | Bilanzen spiegeln nicht die ganze Realität wieder. | Wien. Sie sind gewissermaßen die "schwarze Materie" in Unternehmen. Die Arbeitskräfte führen den Betrieb, schmieden Strategien, verfügen über das entscheidende Wissen. Sobald es aber um die Ermittlung des Unternehmenswerts geht, existieren sie quasi nicht.


Die Kreditwürdigkeit und der Kaufpreis eines Betriebes wurde bisher vor allem durch Finanzzahlen untermauert: So berücksichtigen Wirtschaftsprüfer etwa den Wert von Immobilien, Maschinen oder Auslandstöchtern in ihren Bewertungen, nicht aber das intellektuelle Kapital.

Ausweg: Wissensbilanz

Es handelt sich dabei um "weiche Faktoren, die sich nicht messen lassen", sagen Wirtschaftsprüfer. Kritiker, wie etwa der deutsche Wissenschaftsmanager Günter Koch werfen ein: Der Unternehmenswert erschöpfe sich nicht allein in den Aktiv- und Passivposten der Bilanz, sondern sei vor allem in den Köpfen der Mitarbeiter verborgen. Ein Beispiel: "Wenn der Chef mit einem sehr guten Netzwerk den Betrieb verlässt, wird sich auch der Geschäftserfolg negativ entwickeln", glaubt Koch.

Nicht zuletzt habe auch die Wirtschaftskrise gezeigt, dass die Zahlen in den Büchern der Unternehmen nicht immer dem realen Marktwert entsprechen.

Kochs Forderung: In Zukunft sollen Betriebe auch Wissensbilanzen erstellen. Einen Leitfaden dafür entwickelte Koch vor einigen Jahren im Forschungszentrum Seibersdorf. Eine Wissensbilanz erfasst etwa die Weiterbildungstage der Mitarbeiter, Forschungstätigkeiten und Fluktuation, aber auch Zertifizierungen, denen sich das Unternehmen unterzieht sowie Aktivitäten zur Kundenbindung.

Problem: Messbarkeit

Derzeit sind in Österreich nur die Universitäten zur Erstellung einer Wissensbilanz gesetzlich verpflichtet. Einige andere Firmen wie etwa die Österreichische Nationalbank oder Böhler Uddeholm sowie etliche Forschungszentren praktizieren es freiwillig. Allerdings jeder nach seinen eigenen Methoden und Prioritäten - es gibt keine Standards.

Und genau hier orten Wirtschaftsprüfer das Problem. "Wenn es keine Aufzeichnungen und Messwerte über die Effizienz solcher Maßnahmen gibt, dann ist es auch schwer, diese in einer Prognoserechnung abzubilden oder zu vergleichen", sagt Felix Wirth vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers. Zudem seien viele Betriebe abgeneigt, weil eine solche Bilanz zusätzlichen Aufwand erfordere.