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"Beim Helfen helfen"

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
Kinder in der Wüste von Peru: Wer wohltätig sein will, hat viele Optionen.
© fotolia/chris74

Die Capital Bank will mit einer gemeinnützigen Privatstiftung Großspenden ankurbeln.


Wien/Graz. "In der Eintracht Vieler liegt die Kraft, die das Gute bewirkt. Dazu beizutragen ist eines Jeden Aufgabe." Dieses Zitat von Erzherzog Johann steht für die Corporate Identity der von dem Habsburger im Jahr 1828 gegründeten Grazer Wechselseitigen Versicherung (damals noch "k.k. privilegierte innerösterreichische Brandschaden-Versicherungs-Anstalt für Steiermark, Kärnten und Krain").

Das Gemeinwohl im Auge hat auch die GraWe-Tochter Capital Bank, die dieser Tage eine gemeinnützige Privatstiftung namens "Philanthropie Österreich" gegründet hat. "Wir wollen damit kein Geld verdienen, sondern vermögenden Menschen beim Helfen helfen", betont Capital-Bank-Vorstand Constantin Veyder-Malberg. Das Institut mit Sitz in Graz, das vor allem im gehobenen Privatkundensegment tätig ist, will mit gezielter Beratung wohlhabender Mitbürger die in Österreich unterentwickelten Großspenden ankurbeln und wird dabei vom Fundraising Verband Austria (FVA) unterstützt.

Kunden der Bank, die die Stiftung zum Start mit einem Vermögen von 70.000 Euro ausgestattet hat, können ab einer Spende von 50.000 Euro zu "Zustiftern" werden. Das Geld kann, muss aber nicht konkreten laufenden oder geplanten Projekten der Stiftung gewidmet werden. Die Zweckwidmung kann auch noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, sagt Veyder-Malberg.

Mit der Umsetzung der Projekte werden Non-Profit-Organisationen beauftragt. Dies sind vorerst der World Wide Fund For Nature (WWF), das internationale Hilfswerk "Jugend Eine Welt" und die Rote Nasen Clowndoctors. Die NPOs werden laufend darüber berichten, wie sich die Projekte entwickeln.

Vorteil: steuerlicheAbsetzbarkeit

Seit der Vorwoche ist die Stiftung "Philanthropie Österreich" auch in der Liste der begünstigten Spendenempfänger auf der Website des Finanzministeriums zu finden (www.bmf.gv.at). Privatpersonen und Firmen können seit dem Jahr 2009 Spenden an begünstigte Organisationen in Höhe von maximal zehn Prozent ihres Einkommens steuerlich geltend machen, das heißt, ein Teil des gespendeten Betrags fließt an den Spender zurück.

Vorsitzender der Stiftung "Philanthropie Österreich" ist Franz Harnoncourt-Unverzagt, Ururenkel von Erzherzog Johann und langjähriger Aufsichtsratspräsident der Grazer Wechselseitigen. Er wünscht sich, dass durch die Stiftung ein Gesinnungswandel in Gang kommt, und zitiert Papst Franziskus, der "ein Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen", fordert.

Großspenden zum Thema machen

"Wir wollen mit dieser Initiative das Thema Großspenden zum Thema machen", sagt Günther Lutschinger, seit 2007 Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria und vormals Geschäftsführer des WWF Österreich. Hierzulande werden derzeit jährlich nur 3 Euro pro Einwohner aus Stiftungen für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet, in der Schweiz sind es 148 Euro, in Deutschland sogar 168 Euro, weiß Lutschinger.

Der Grund, warum Österreich kein Land der Philanthropen ist, liege in den wenig attraktiven steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen. Das Gesetz gehe in vielen Fällen so weit, dass ein gemeinnütziges Engagement steuerlich bestraft werde.

Der Fundraising Verband Austria fordert daher schon seit längerem eine Reform des Stiftungsrechts. Wären die gemeinnützigen Stiftungsausschüttungen in Österreich auf ähnlichem Niveau wie in Deutschland und der Schweiz, würden jährlich rund eine Milliarde Euro in die Bereiche Bildung, Forschung, Kultur, Soziales und Entwicklungshilfe fließen, so der Verband.