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Beim Mladic-Versteck gab es die besten Spanferkel

Von Zarko Radulovic

Europaarchiv

Der international Gesuchte soll am Bau gearbeitet haben. | Lazarevo. Juli 2009. Die Fahndung nach dem bosnisch-serbischen Ex-General Ratko Mladic läuft auf Hochtouren. Das Haager Kriegsverbrecher-Tribunal macht Druck. Belgrad versichert, keine Ahnung zu haben, wo sich der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher verstecken könnte.


Etwa zur selben Zeit fährt der 36-jährige Sinisa aus der Vojvodina-Stadt Zrenjanin in das 12 Kilometer entfernte Dorf Lazarevo. Zum Onkel und Cousin von Ratko Mladic, die dort in für dieser Gegend typischen, bescheidenen Häusern leben. "Ich kaufe immer bei ihnen ein, wenn ich ein Spanferkel grillen will, denn die Qualität ist sehr gut", erzählt Sinisa der "Wiener Zeitung".

"Im Garten saßen meistens einige Leute und diskutierten über alles Mögliche. Ich bin immer mit einem Kaffee und einem guten Schnaps empfangen worden. Es sind nette, sehr freundliche Menschen. Und ich habe immer im Scherz gefragt, ob Ratko da ist und wie es ihm geht. Aber auf die konkrete Idee, dass er sich wirklich in Lazarevo verstecken könnte, wäre ich im Traum nicht gekommen. Wir wissen auch nicht, seit wann er sich dort versteckt hat", erzählt Sinisa.

Erst vor einigen Tagen war Mladic Sohn Darko mit seinen Kindern in Lazarevo. Selbst er soll nicht gewusst haben, dass sich sein Vater dort versteckt. Mladic würde es sich nie erlauben, die Familie einem Risiko auszusetzen, betont ein Familien-Anwalt in Belgrad.

Der 69-jährige Mladic, der sich angeblich als Milorad Komadic vorstellte, soll übrigens vorigen Sommer in Zrenjanin als Bauarbeiter tätig gewesen sein. "Ich bin noch immer schockiert", erzählt der 20-jährige Student R. aus Zrenjanin der serbischen Tageszeitung "Blic". Erst als er die Bilder nach der Mladic-Festnahme sah, sei ihm alles klar geworden. "Ich kann es noch immer nicht fassen.. . Milorad Komadic, ich habe ihn gekannt, mit ihm gearbeitet, gegessen. Wir waren alle kollektiv so blind. Ich habe ihn sogar gefragt, ob er sich im Klaren ist, wie sehr er Mladic ähnlich sieht. Aber ich habe mir selbst eingeredet, dass er das nicht ist. Mladic am Bau? Niemals", schildert der Student.