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Beim Streit Venezuela-Kolumbien steht erneut die Farc im Mittelpunkt

Von Alexander U. Mathé

Analysen

Theoretisch ist der Ärger Venezuelas und Ekuadors darüber schon befremdlich, dass Kolumbien ein paar Militärstützpunkte für das US-Militär öffnet, um gegen Drogenkartelle vorzugehen. Was könnte schon schlimm daran sein, Hilfe in der Drogenproblematik zu erhalten? Doch Venezuelas Präsident Hugo Chavez sieht die Verstärkung als gegen sein Land gerichtet. Man sei zum Krieg bereit, erklärte er sinngemäß. | Gänzlich aus der Luft gegriffen sind Chavez Überlegungen allerdings nicht. Hat doch der US-Kongress vor einem Monat festgestellt, dass durch korrupte Stellen in Regierung und Militär der Drogenverkehr von Venezuela in die USA blühe. Das Land sei ein sicherer Hafen für bewaffnete Gruppen, die entlang der kolumbianisch-venezolanischen Grenze operieren.


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Und um genau diese Gruppen dürfte es bei den Wortgefechten eigentlich gehen, genauer: um die marxistische Farc, die in den USA und in Europa auf der Liste der Terrororganisationen steht und Kolumbien seit Jahrzehnten destabilisiert.

Es liegt der Verdacht nahe, dass man in Venezuela Angst hat, dass der Farc der Garaus gemacht wird und es dabei zu Grenzüberschreitungen kommt. Von daher erklärt sich auch Chavez Klage über einen mutmaßlichen Grenzübertritt kolumbianischer Soldaten, bei dem er weder erzählt hat wo, noch wie oder wann er sich ereignet habe. Es ist eine Warnung an Kolumbien, nicht in Venezuela dasselbe zu versuchen wie im März 2008 in Ekuador. Damals hat die kolumbianische Armee im Nachbarland ohne Aviso und Erlaubnis eine Operationsbasis der Farc ausgehoben und dabei sowohl die Nummer zwei der Organisation getötet als auch brisantes Material aus Computern sichergestellt.

Die Vorstellung, Ekuador und Venezuela wollten der Farc ihr Rückzugsgebiet sichern, liegt unangenehm in der Luft. Wieso sonst hat Ekuador bis heute nicht wieder diplomatische Beziehungen mit Kolumbien aufgenommen - Verletzung der Staatssouveränität hin oder her? Wieso sonst reagiert Chavez mit Kriegsrhetorik auf die Präsenz US-amerikanischer Truppen? Untermauert wird dieser Verdacht noch dadurch, dass die kolumbianische Armee bei der Farc schwedische Waffen gefunden hat, die angeblich an Venezuela geliefert worden waren. Zudem sollen die in Ekuador sichergestellten Daten Verbindungen der Farc sowohl zur ekuadorianischen als auch zur venezolanischen Regierung offenbart haben.

Vielleicht versucht ja Chavez nur mit lauter Rhetorik von diesen Unannehmlichkeiten abzulenken. Denn auch wenn er sagt, er sei zum Krieg bereit, so dürfte ein solcher wohl das letzte sein, was sich der Linkspopulist wünschen könnte. Militärisch gesehen ist nämlich Kolumbien allein seinen Nachbarländern überlegen.