Zum Hauptinhalt springen

Beitritt mit Verspätung?

Von Veronika Gasser

Europaarchiv
Bulgarien (im Bild die Stadt Plovdiv) könnte, ebenso wie Rumänien, noch mindestens ein halbes Jahr länger auf der EU-Wartebank verweilen müssen. Gasser

Der EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien könnte sich zumindest um ein halbes Jahr verzögern. Dies vermuten die Kapitalmarkt-Experten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Der Grund: Die nötigen Rechtsreformen werden nur zögerlich umgesetzt.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 18 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Die Korruption in Rumänien und Bulgarien blüht nach wie vor", berichtet RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek. Dies bestätigten ihm seine Kollegen in den betroffenen Ländern, die nun auch damit rechnen, dass die beiden Staaten zumindest ein halbes Jahr länger warten müssen. Auch gehe die Umsetzung der notwendigen Rechtsreformen nur äußerst schleppend voran.

In den enttäuschenden EU-Referenden dürfte sich die reservierte Haltung der alten EU-Länder gegenüber einer nächsten Erweiterungsrunde niederschlagen haben. Trotz allem sehen die RZB-Experten die neuen wie künftigen EU-Mitglieder auf dem Wachstumspfad. Wie stark die Volkswirtschaften wachsen werde wesentlich vom EU-Budget abhängen, so Breznischek.

Eine Reduzierung des Budgets würde die Strukturfonds treffen sowie Mittel- und Osteuropa ein Minus von 1% des BIP bescheren. Dadurch stünden 7 Mrd. Euro weniger für Infrastruktur zur Verfügung. Das könnte den Aufholprozess bremsen.

Anfällig für Schwankungen seien wegen der bevorstehenden Wahlen, im September und im Frühjahr 2006, sowohl der polnische Zloty wie auch der ungarische Forint. Der rumänische Leu könnte zur Jahreswende wegen hoher Leistungsbilanzdefizite an Aufwind verlieren.

Die großen Vorteile von Bulgarien und Rumänien seien die niedrigen Lohnkosten (die in Bulgarien gar nur 20% des EU-Schnitts ausmachen) und die Flat-Tax von 16%. 2006 könnte es einen BIP-Anstieg von 6% geben.

Die Ostbörsen verspüren nach anfänglichen Schwierigkeiten seit Beginn des zweiten Quartals wieder Aufwind, sie haben seit Jahresbeginn zwischen 9,1% (WIG20 in Polen) und 35% (BUX in Ungarn) zugelegt. Die Aktienmärkte konnten kräftiger als die Rentenmärkte zulegen.

Wegen des weiterhin hohen Ölpreises, er wird laut RZB ab September wegen der Angst vor einer Verknappung abermals steigen, sind Öltitel wie die russische Lukoil, die rumänische Rompetrol, die ungarische MOL oder die heimische OMV besonders attraktiv. "Speziell für den russischen Aktienmarkt, der zu mehr als 60% aus Öl- und Gasunternehmen besteht, zeichnet dies ein positives Bild", analysiert Brezinschek.

Für den türkischen Kapitalmarkt sind die RZB-Erwartungen zwiespältig. Die Lira ist nach wie vor stark, von einer Skepsis nach dem negativen Frankreich-Referendum ist wenig zu spüren. Doch die Experten warnen vor der schlechten Leistungsbilanz, die Exporte kommen noch immer nicht in Schwung.