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Bekämpfung der Symptome

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Größter Wettprozess in Österreich? Ja. Größter Wettskandal? Naja, wohl eher größter aufgeflogener Wettskandal. Denn wer glaubt, die Sache sei erledigt, weil zwei prominente (Ex-)Fußballer des Landes nun aus dem Verkehr gezogen worden sind, unterliegt einem (folgen)schweren Irrtum. Vielmehr dürfte es sich bei Dominique Taboga und Sanel Kuljic nur um die Spitze des Eisbergs handeln; und um diesen zu beseitigen, bedarf es mehr als nur eines spektakulären Prozesses. Dazu sind weltweite Gesetzesänderungen und eine gänzliche Umstrukturierung des Wettgeschäftes nötig. So lange es möglich ist, dass im hintersten Winkel in Asien auf unterklassige Spiele in Jugendligen am anderen Ende der Welt gewettet werden kann, so lange nicht nur auf das Resultat, sondern auch auf einzelne Ereignisse wie Freistöße, Elfmeter, rote Karten getippt werden kann, ist Manipulation Tür und Tor geöffnet.

Dazu kommt, dass viele Spieler vor allem in unteren Ligen durch Scheinarbeitsverhältnisse, Doppelverträge, finanzmarode Klubs und damit einhergehende Gehaltsrückstände nur eine mangelhafte soziale und wirtschaftliche Absicherung genießen und dadurch anfällig für jene sind, die ihnen leicht verdientes Geld versprechen, um selbst ans große zu kommen. Erst am Donnerstag hat die Vereinigung der Fußballer eine Studie herausgebracht, die mit dem Vorurteil vom kickenden Millionär aufzuräumen versucht. Dabei geht es nicht darum, Spieler, die nachweislich Betrug am Sport, an den Fans und Buchmachern begehen, in Schutz zu nehmen. Vielmehr geht es darum, die Komplexität des Problems zu begreifen. Urteile wie dieses mögen Symptombekämpfung sein. Am Grundübel können sie aber nicht rühren.